Jack Bauer auf Koreanisch: 'Mission I.R.I.S.' von Kim Kyoo-tae und Yang Yoon-ho

 

Bedauerlicherweise ist es noch immer gängige Praxis aus zweiteiligen oder überlangen – meist asiatischen Filmen – kürzere internationale Versionen zu erstellen, die dem Publikum einen leichteren Zugang verschaffen und die Streifen schlicht massentauglicher machen sollen. In der Vergangenheit ging das u.a. bei ‚Once upon a Time in China’ oder den meisten Jackie-Chan-Filmen gehörig schief. Jüngste Opfer dieser Verunglimpfung sind John Woos Schlachtplatte ‚Red Cliff’ und das taiwanesische Historienepos ‚Seediq Bale’, sowie die 20-teilige TV-Serie ‚IRIS’ aus Südkorea, die als ‚Mission I.R.I.S.’, um ein paar Szenen erweitert, als knapp zweistündiger Film, hauptsächlich international, vermarktet wird und ein Mix aus ‚24’ und ‚Shiri’ ist.


 

Kim Hyeon-jun (Lee Byung-hun) arbeitet für den südkoreanischen Geheimdienst NSS. In Ungarn soll er ein Attentat auf einen ranghohen Politiker Nordkoreas verüben, nach dessen erfolgreicher Ausführung Hyeon-jun von seinen Vorgesetzten fallen gelassen wird. Gemeinsam mit seiner Freundin, die auch beim NSS angestellte Seung-hee (Kim Tae-hee), flüchtet er. Doch auch Seung-hee fällt einem Attentat zum Opfer und Jin Sa-woo (Jeong Jun-ho), ebenfalls Geheimagent und Hyeon-juns Freund, macht Jagd auf den seinen flüchtigen Kollegen. In Shanghai schließt sich Hyeon-jun sich nordkoreanischen Agenten an, die im Auftrag der Geheimorganisation IRIS einen atomaren Anschlag in Seoul verüben sollen. Als er erfährt, dass auch sein Vorgesetzter ein Agent dieser Organisation ist, versucht er mit allen Mitteln den Anschlag zu verhindern und die Verschwörung aufzudecken…


 

‚Mission I.R.I.S.’ leidet in erster Linie an der Tatsache, dass es sich bei dem Film um einen Zusammenschnitt handelt, der zwar eine einigermaßen Nachvollziehbare Geschichte erkennen lässt, jedoch wird der Zuschauer Gewissermaßen mitten in die Erzählung hineingerotzt ohne genau zu wissen worum es eigentlich geht. Stattdessen versuchen ungelenke Rückblenden den Charakteren Tiefe zu geben, kratzen aber nur an der Oberfläche und bremsen die ohnehin schon zu lang geratene Einführung in Ungarn unnötig aus. Die Charaktere bleiben auch trotz dieser Rückblenden erschreckend blass und lange Zeit ist kein wirklicher Hauptcharakter zu erkennen. Eine plausible Charakterentwicklung ist ebenso wenig zu erkennen, wodurch die einzelnen Charaktere oftmals aus unerklärlichen Gründen plötzlich konträr ihrer eigentlichen Rolle handeln. So lässt sich Seung-hee von Hyeon-jun brutal zusammenschlagen, nimmt aber gut 20 Minuten später dessen Heiratsantrag an. Ebenso wenig kann trotz der eigentlich recht interessanten Geschichte kaum Spannung aufkommen und der ganze Film wirkt eher wie ein Trailer, als wie ein homogenes Ganzes. Der Twist am Ende ist zwar nett, eine vollständige Auflösung aller Intrigen wäre aber lobenswert gewesen, anstatt in einem Quasi-Cliffhanger eine mögliche Fortsetzung offen zu lassen.


 

Auch der Zusammenschnitt an sich ist nicht wirklich gelungen: Erzählstränge werden aufgegriffen und ohne Grund wieder fallen gelassen, eigentlich tote Personen tauchen ohne Erklärung wieder auf, Actionszenen werden abgebrochen und der gerade in Bedrängnis geratene Darsteller ist auf einmal wieder frei wie ein Vögelchen. Eine Autoverfolgungsjagd wurde offensichtlich aus zwei unabhängigen Szenen zusammengeschnitten, da unvermittelt ganz andere Fahrzeuge auftauchen und dann auch wieder verschwinden und während dem großen Finale in Seoul ist sich die Metropole anscheinend nicht so sicher zu welcher Tageszeit dieses Finale stattfinden soll.


 

Das Finale an sich ist relativ packend gemacht und liefert eine urbane Schießerei in bester ‚Heat’-Manier. Auch die anderen Actionszenen können sich zweifelsohne sehen lassen und sind teilweise auch recht blutig, obgleich die FSK-18-Freigabe etwas übertrieben erscheint. Leider ist der Look unverkennbar TV, was die gelungene Inszenierung an sich und die ordentlichen Spezialeffekte insgesamt ziemlich billig wirken lassen. Der Wackelkamera-Look und die spärliche Filmmusik tun ihr Übriges um den – nennen wir ihn mal Film, vor allem in Dialogszenen wie eine Soap wirken zu lassen.


 

Die Darsteller machen ihre Sache größtenteils ordentlich, wenngleich man preisverdächtige Darstellungen vergebens sucht. So glänzt Lee Byung-hun auch eher durch seine physische Präsenz als durch ausgiebiges Mimenspiel. Kim Tae-hees Performance, als sie vom vermeintlichen Tod ihres Geliebten erfährt, ist der größte darstellerische Ausfall und wirkt eher komisch als tragisch.


 

‚Mission I.R.I.S.’ ist als Film ein unausgewogenes Best-Of der TV-Serie ohne jemals eine spannende oder nachvollziehbare Handlung zu entwickeln. Darstellerisch und inszenatorisch auf TV-Niveau sind es dennoch die Action-Szenen, die am überzeugendsten sind. Wer einen Import der TV-Serie, auf die der Film durchaus Appetit zu machen weiß, in Erwägung zieht, darf einen Blick auf diesen überlangen Trailer riskieren, als Film an sich ist der Streifen aber in allen belangen ungeeignet.


 

Als eigenständiger Film: 3 von 10 Glückskeks

Als Werbefilm:  5 von 10 Glückskekse


 

Die deutsche Blu Ray:


 

Das Bild der Blu Ray ist die meiste Zeit über relativ scharf und zeigt auch in Totalen ausreichend Details, trotz 1080i. Archivmaterial, meist Impressionen aus Nordkorea, ist qualitativ auf VHS-Niveau und ziemlich verwaschen. Auch einige, wenige andere Szenen sind – eigentlich unverständlich – von schlechterer Qualität als das Gros des Filmes. Den ganzen Film über ist ein gewisser TV-Look erkennbar. Der Ton ist ok und bewegt sich auf gutem Serien-Niveau. Neben einer sehr gelungenen deutschen Synchronisation, die mit einigen bekannten Sprechern aufwarten kann, wird auch Original-Ton mit deutschen Untertiteln wird angeboten. Die Extras (Trailer und Bildergalerie) sind nicht der Rede wert, die Blu Ray wird in einem geprägten Schuber ohne FSK-Logo geliefert, das Keep-Case hat ein Wendecover.


 

Bild: 7/10

Ton: 7/10

Extras: 2/10

Synchro: 8/10

Übersetzung: 7/10

1 Kommentar 5.5.12 11:05, kommentieren

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Revolución! Revolución! - Jackie Chans und Li Zhangs '1911'

 

Pünktlich zum 100. Jahrestag der Xinhai-Revolution, die von Wuchang aus startend letztendlich die zweitausendjährige Herrschaft der chinesischen Kaiser beendete liefert uns der üppige staatseigene Filmfond der Volksrepublik China die passende filmische Aufbereitung dieser Ereignisse. Als Vater dieser Revolution und des modernen Chinas wird Dr. Sun Yat-sen (Mandarinumschrift: Sun Yi-xian) in der Republik China (Taiwan) ebenso verehrt wie auf dem chinesischen Festland, so verwundert es kaum, wie viele Filme sich mehr (‚Bodyguards & Assassins’, ‚The Soong Sisters&rsquo oder weniger (‚Once upon a Time in China II&rsquo mit dieser historischen Figur befassen. Als Co-Regisseur (oder ‚General Director’, wie es im Vorspann heißt) und Darsteller fungierte der internationale Superstar Jackie Chan, mit wenig berauschendem Ergebnis. Von Kritikern als Propagandawerk zerrissen und in Taiwan erst gar nicht im Kino gestartet (da die Anzahl der Kinostarts volkschinesischer Filme in der Republik China beschränkt sind und im Jahr 2011 bereits die Höchstzahl erreicht wurde) sorgten für wenig Beachtung außerhalb der Volksrepublik. Aber ist der Film wirklich so schlecht?

 

Nach mehreren Niederlagen erringen die Truppen der Revolutionäre am 10. Oktober 1911 in Wuchang ihren ersten wichtigen Sieg über die Armee des chinesischen Kaiserhauses. Nach und nach fallen mehr Städte in die Hände der Aufständischen. Während ihr geistiger Führer Sun Yi-xian (Winston Chao) im fernen Amerika bei den finanzstarken Auslandschinesen um Spenden für die große Sache wirbt, führt Suns Freund Huang Xing (Jackie Chan) seine Soldaten gegen die Qing in die Schlacht. Mit Hilfe ausländischer Investoren versucht die Kaiserinwitwe Longyu (Joan Chen) Yuan Shi-kais (Chun Sun) Beihai-Armee, die einzige moderne Armee Chinas, auf ihrer Seite zu halten. Doch Yuan ist ein gar flatterhaftes Wesen…

 

Ein von der volkschinesischen Regierung finanzierter Historienfilm lässt Kritiker in aller nichtvolkschinesischer Welt schon mal im Vorfeld sämtliche Propagandakeulen schwingen und die Filme nach allen Regeln der Kunst – manchmal zu recht, oft aber unnötig – politisieren. So auch bei ‚1911’, dem volkschinesischer Hurra-Patriotismus aller erster Güte bescheinigt wurde, ohne dabei aber auf die filmischen Qualitäten und Unzulänglichkeiten Rücksicht zu nehmen. Ein Film über eine Revolution, die derart wichtig für ein Land war, wie es die Xinhai-Revolution für China ist, ohne ein gewisses Maß an Pathos zu inszenieren geht einfach nicht und würde auch beim Publikum – hier beim chinesischen – wohl auch schlecht ankommen.

 

So ist es nicht der Patriotismus, der in erster Linie stört, sondern der teilweise zu saloppe und lückenhafte Umgang mit der Geschichte. Der spätere Präsident der Republik China Chiang Kai-shek wird komplett unter den Tisch gekehrt und tritt gar nicht im Film auf. Zwar war Chiangs Part bei der Revolution relativ gering – er kehrte aus Japan zurück und führte die Truppen in Hangzhou an –, aber als wichtige historische Persönlichkeit wäre es wünschenswert gewesen wenigstens seine Teilnahme zu vermerken.

Die meisten Beamten der Qing-Regierung und des Kaiserhofes sind derart überzeichnet dargestellt, dass ihre Darstellung eher an die in den Kampfkunstfilmen der frühen 1990er Jahre erinnert als an ein ernsthaftes Historienepos. Die Prinzen und Minister sind ein grotesker Haufen vertrottelter Jasager, die Kaiserinwitwe eine hysterische und weinerliche Tussi. Auch Yuan Shi-kai hat den einen oder anderen seltsamen Auftritt, zum Beispiel als er wutentbrannt Vasen zerdeppert und seine Bediensteten immer wieder für neuen Nachschub sorgen. So sind es diese Szenen, die unschön aus dem ernsthaften Rest des Filmes herausstechen und für unfreiwillige Komik sorgen.

 

Dieser Rest ist gar nicht mal so schlecht. Suns Weg auf dem politischen Parkett wird zwar stark vereinfacht und mit allerlei Floskeln unterlegt bestritten, aber diese Szenen wirken nie sonderlich naiv oder lächerlich. Winston Chao spielt die Rolle Souverän und kann als Sun Yat-sen auch allein vom Äußerlichen her überzeugen, weswegen er diese Rolle auch schon vor ‚1911’ des Öfteren spielen durfte.

Die restilchen Darsteller sind, abgesehen von Jaon Chen als Kaiserinwitwe und ihrem gesamten Hofstaat, solide bis gut. Chun Sun neigt manchmal zu Overacting und sein Wutausbruch mit den Vasen hätte man sich sparen können, abgesehen davon liefert er aber eine solide Leistung und bringt Yuans kalkulierenden Charakter gut zur Geltung.

Jackie Chan agiert auch in dieser ernsten Rolle souverän, lediglich bei einer – unnötigen – Kampfszene im Jackie-Chan-Stil – zieht er die aus alten Komödientagen bekannten Grimassen.

Li Bing-bing hat eine relativ undankbare Rolle als Huang Xings Loveinterest in einer ziemlich aufgesetzten Liebesgeschichte. So kreuzt sie immer wieder Huangs Wege und darf schmachtende Blicke gen Kamera richten.

Alle anderen Darsteller sind nicht der Rede wert, selbst der im Vorspann genannte Jaycee Chan (ja, Jackies Sohn) ist nur einige Sekunden zu sehen.

  

Die Ausstattung ist spektakulär und liebevoll. Seien es die Dekorationen der Städte, Innensets oder der Verbotene Stadt, Uniformen, Waffen oder sonstiges Kriegsgerät alles wirkt authentisch und hochwertig. Auch die CGIs gehen in Ordnung sind aber teilweise als solche zu erkennen. Lediglich die Deutschlandfahnen stammen aus einer anderen Epoche.

Einige ziemlich dreiste Szenenplagiate von Bertoluccis ‚Der letzte Kaiser’ trüben den Gesamteindruck der ansonsten guten Kameraarbeit.

Der Score ist heroisch, passt aber gut zum filmischen Kontext.

Die Schlachten sind gut gemacht, wenngleich insgesamt ein wenig mehr Action wünschenswert gewesen wäre. Leider bekommt der Zuschauer im Endeffekt nur Impressionen der Schlachten zu sehen, anstatt einmal längere Truppenbewegungen bewundern zu dürfen. Dennoch geht es teilweise recht blutig zu und die Altersfreigabe ist in jedem Fall berechtigt.

 

Leider hetzen die Regisseure Li Zhang und Jackie Chan derart durch die Ereignisse, dass man leicht den Überblick verliert. Wer mit der chinesischen Geschichte nicht vertraut ist verliert schnell den Überblick über die vielen Orte, Personen und Ereignisse, die meist nur kurz auftauchen oder angerissen werden. Durch ständige Ortswechsel ist es schwer einen richtigen Hauptdarsteller auszumachen, wodurch auch eine Identifikationsfigur fehlt, die all das Gezeigte emotional greifbar machen. Der Film lässt leider seltsam kalt. Szenen, in denen einem eigentlich eine Gänsehaut über den Rücken laufen müsste, laufen einfach so ab, wodurch ‚1911’ trotz allem Pathos erstaunlich nüchtern und kalt wirkt.

 

‚1911’ ist weder plumpes Propagandawerk noch emotionales Epos. Der Film bewegt sich zwischen spektakulären Bildern und politischem Plot ohne sonderlich zu bewegen. Einige unfreiwillig komische Passagen passen nicht zu dem ernsten Film und die hektische Erzählstruktur sorgt zwar für wenige Längen aber auch für viele offene Fragen. Die schönen Bilder, die guten Kriegsszenen und die tolle Ausstattung täuschen da nur bedingt über zu viele inhaltliche Schwächen hinweg.

 

6 von 10 Glückskekse

 

Die deutsche Blu Ray von Splendid zeigt den Film in guter Bild- und Tonqualität. Die Extras sind in Ordnung. Die Synchronisation ist meistens recht gut gelungen, nur einige Sprecher fallen negativ auf. Lobenswert ist die Untertitelung der Texteinblendungen, wenngleich Mighty-Titles einmal mehr einige Einblendungen unterschlägt bzw. vergessen hat. Die Übersetzung ist in Ordnung, spart jedoch jegliche Verbindung zur Kommunistischen Partei China – die im Original angerissen werden – aus.

 

Bild: 8/10

Ton: 8/10

Untertitel: 4/10

Extras: 5/10

Synchro: 7/10

Übersetzung: 5/10

14.4.12 19:03, kommentieren

Auf Zeitreise: Mikael Håfströms 'Shanghai'

 

Shanghai war schon immer eine der faszinierendsten Metropolen der Welt. Während sie heute Inbegriff des wirtschaftlichen Aufschwungs der Volksrepublik China ist und Besucher aus aller Welt anzieht, war sie in den 1920er und 1930er Jahren das kosmopolitische Zentrum Asiens, Tummelplatz für Glücksritter, Ausgestoßene und Spione aller Herren Länder. Die zur damaligen Zeit einzige Weltstadt Asiens steht im Zentrum von Mikael Håfströms klasischem Noir-Thriller, der den Kriegseintritt der USA aus einem völlig anderen Blickwinkel betrachtet.

Shanghai 1941: Der amerikanische Spion Paul Soames (John Cusack) kommt frisch aus Berlin in der pulsierenden Metropole an, die immer mehr in die Hand ausländischer Mächte gerät und in Sektoren für Franzosen, Japaner, Amerikaner und andere Ausländer aufgeteilt ist. Im Inneren brodelt es: jeder versucht seine Interessen durchzusetzen, während einige wenige Chinesen erbittert widerstand leisten. In diesem Moloch versucht Soames den Mörder seines Freundes aufzudecken, dem auf offener Straße brutal die Kehle aufgeschnitten wurde. Dabei macht er Bekanntschaft mit Anna Lan-Ting (Gong Li), Ehefrau des Gangsterbosses Anthony Lan-Ting (Chow Yun-Fat), der mit dem japanischen Offizier Tanaka (Ken Watanabe) kollaboriert. Die kühle Schönheit übt eine faszinierende Anziehungskraft auf den Agenten aus, der er sich bald nicht mehr zu entziehen weiß. Inzwischen dreht sich das Rad der Geschichte weiter und der 2. Weltkrieg steuert langsam auf einen neuen Höhepunkt zu…

Lange lag Mikael Håfströms Thriller in den Schubladen der Studios herum, ehe er in einigen wenigen Kinos dann doch gezeigt wurde, mit verhaltenem Erfolg. Berechtige? Zum Teil. Das junge Kinopublikum lässt sich in Zeiten der ‚Transformers’ kaum mehr von einem klassischen Film-Noir begeistern, der genauso gut in den 1940ern entstanden sein könnte. Dabei hat der Film durchaus einen gewissen Reiz.

Das Setting ist stimmig und mit viel Aufwand inszeniert. Die Atmosphäre Shanghais in den frühen 1940ern wird beeindruckend eingefangen. Kulissen, Kostüme, Statisten und nicht zu letzt die ordentlichen CGIs sorgen für ein gelungenes Porträt jener Tage. Dabei fällt es kaum auf, dass nicht in Shanghai sondern in Thailand und England gedreht wurde. Allzu viel ‚altes Shanghai’ existiert ohnehin nicht mehr.

Beleuchtung, Kamera und Schnitt sind allesamt auf hohem Niveau, fangen die opulenten Kulissen schön ein und tragen viel zur klassischen, nostalgischen Thriller-Atmosphäre bei.

Mikael Håfström ist sehr um Authentizität bemüht, verwendet er in seinen Dialogen einen meist plausiblen Sprachenmix aus Englisch, Chinesisch und Japanisch. In einigen Szenen fragt man sich dennoch, warum Ann Lan-Ting mit ihrem Mann Englisch statt Chinesisch redet obwohl beide in anderen Szenen dies getan haben.

Die Schauspieler liefern gute Leistungen ab. Einzig John Cusack hätte beherzter bei der Sache sein können. Zwar ist er durchaus sympathisch, ein wenig mehr Schalk oder auch Düsternis wären aber wünschenswert, um voll in der Rolle zu überzeugen. Gong Li hingegen spielt leidenschaftlich die revoltierende Gangsterbraut mit kühler Erotik und der richtigen Balance zwischen Härte, Verletzlichkeit, Gefühl und Kalkül. Ken Watanabe hat, wie der immer wieder gern gesehene David Morse, zwar relativ wenig Spielzeit, nutzt sie aber gut aus um einen differenzierten Charakter zwischen kaltblütiger Pflichterfüllung und Herzenswärme zu schaffen. Chow Yun-Fat spielt den Gangsterboss mit viel Herzblut und darf auch in zwei Actionszenen ordentlich Kugeln verteilen.

Gerade in den Actionszenen zeigt sich der Film dann- für einen Film Noir – auch erstaunlich blutig. Die Szenen sind auch gut inszeniert und am Ende, als die japanischen Truppen schließlich in Shanghai einmarschieren, darf es dann noch mal so richtig krachen: Schüsse, Explosionen, einstürzende Gebäude und dazwischen Gong Li und John Cusack auf der Flucht. Spätestens jetzt ist ‚Shanghai’ großes Kino und erinnert entfernt an gleichartige Szenen aus Spielbergs ‚Im Reich der Sonne’. Erfreulicherweise wurde auf allzu viele Computertricks verzichtet und das Finale ist weitgehend ‚handgemacht’.

Bei der der Geschichte setzt Mikael Håfström auf bewährte Film Noir Zutaten: ein mysteriöser Mord, eine noch mysteriösere Schöne, eine verschwundene Frau, eine feindliche, verschlossene Stadt, Intrigen, Verschwörungen und einen etwas desillusionierten Helden, der sich eher im Sarkasmus übt als große Gefühle zu hegen und die Situationen gelegentlich aus dem Off kommentiert. Leider wird diese Kommentarpraxis eher unmotiviert betrieben und so bleiben sie die Ausnahme statt die Regel. Neues sucht man vergebens aber das exotische Setting und einen eigentlichen Nebenkriegsschauplatz als Auslöser eines neuen Höhepunktes des 2. Weltkriegs zu deklarieren hat durchaus seine Reize. Schnell wird klar, wer und was hinter der ganzen Sache stecken und der ganz große Wow-Effekt am Ende bleibt aus, dennoch ist das Ganze bis zum Ende hin wenigstens leidlich spannend.

‚Shanghai’ erfindet das Rad nicht neu, zeigt sich ziemlich klassisch und – was Story und Genre betrifft – nicht mehr so ganz am Puls der Zeit. Aber gerade hier hat der Film seinen Reiz. Kopieren viele Filme mehr schlecht als recht irgendwelche Trends, ignoriert Håfström diese fast ausnahmslos und sucht seine Inspiration in den 1940er und 1950er Jahren. Gerade dadurch ist der klassische Film eine angenehme Abwechslung zu allem anderen, was man heute so im Kino findet.

7 von 10 Glückskekse

Die deutsche Blu Ray beitet gute Bildqualität, der Ton ist okay, hat aber relativ leise abgemischte Dialoge. Schön, dass Passagen auf Japanisch oder Chinesisch im Original belassen und untertitelt wurden. Die Extras sind mau.

Bild: 8/10

Ton: 7/10

Untertitel: 7/10

Extras: 4/10

Sychro: 7/10

Übersetzung: 9/10

2 Kommentare 21.3.12 12:16, kommentieren

Frankfurter Schlachtplatte: Marcus Nispels 'Conan'



1982 machte John Milius den damals noch weitgehend unbekannten Arnold Schwarzenegger zum Star und schuf mit ‚Conan – Der Barbar’, nach Rober E. Howards Kurzgeschichten, einen noch immer äußerst populären (Low-) Fantasy-Film, der eine wahre Welle meist minderwertiger Nachahmprodukte nach sich zog. Schnell abgedreht und mimisch blass besetzt wollte man – auch in Europa – auf den profitablen Zug aufspringen. Warum also nicht das Subgenre des Barbaren-Films nicht auch in diesem Jahrtausend wieder beleben? Mit weniger fantastischen Elementen als in ‚Der Herr der Ringe’, aber umso mehr Blut machte sich der in Frankfurt am Main geborene und auf Remakes quasi spezialisierte Marcus Nispel daran die Figur des Conan einem jüngeren Publikum näher zu bringen.

 

Conan (Jason Mamoa) erblickt auf dem Schlachtfeld das Licht der Welt und überlebt im Kindesalter als einziger ein Massaker der Kriegsfürsten Kahlar Zym (Stephen Lang). Getrieben von Rache macht er sich auf die Suche nach dem Tyrannen, der seinen Vater (Ron Perlman) tötete und dessen Schwert an sich nahm. Zym ist derweil auf der Suche nach der Reinblütigen (Rachel Nichols), da nur ihr Blut eine geheimnisvolle Maske mit Leben erfüllen und ihn zum Gott machen kann, damit die ermordete Mutter seiner dämonischen Tochter (Rose McGowan) endlich von den Toten auferstehen kann.

 

‚Conan’ beginnt schon ganz schön spektakulär und für den ein oder anderen auch recht unappetitlich: Gezeigt wird ein ungeborenes Kind im Leid der Mutter, der urplötzlich von einem Schwert durchbohrt wird. Das Kind kommt zur Welt, die Mutter stirbt auf dem Schlachtfeld. Marcus Nispel mag es deftig und so geht es auch in ‚Conan’ teils doch recht derb zur Sache. War das Original schon blutig, so ist die Neuauflage teilweise wirklich brutal. Die Kampfszenen sind gut gemacht und in gewisser Weise recht klassisch gehalten. Schnelle unübersichtliche Schnitte oder extreme Nahaufnahmen gibt es selten. Leider enttäuschen gerade die letzten Kampfszenen gegen die Wasserschlage und das Finale, das mit gerade einmal zwei Filmtoten im Vergleich zum Vorangegangenen geradezu minimalistisch wirkt und insgesamt sehr zahm und relativ unspektakulär inszeniert wurde.

 

Ausstattung und Kostüme bewegen sich auf solidem Niveau, wobei einige modische Kreationen recht exzentrisch und die Sets vereinzelt recht preiswert wirken. Jedenfalls sieht der Film nicht nach den 90 Millionen Dollar aus, die er gekostet haben soll.

Lobenswert ist der Verzicht auf allzu viel CGI-Einsatz, was dem Film sichtlich gut tut. Die Locations sind gut gewählt und meistens recht stimmig.

Auch die Kamera ist ganz gut und liefert das ein oder andere schöne Bild ab.

Der Score ist unspektakulär aber solide.

 

Die Geschichte lehnt sich in den Grundzügen an die des Originals an, ohne jedoch Conans Suche nach dem Geheimnis des Stahls genauer zu thematisieren. Das Trauma Conans, dass dieser nach dem Verlust seines Vaters erlitten hat wird nur am Rande behandelt und so konzentriert sich die Story – nach dem Exposé über Conans Jugend -, ganz und gar auf dessen Suche nach dem Mörder seines Vaters. Dabei stellt sich der Barbar teilweise ziemlich doof an, ist doch gerade der größte aller Kriegsherren der Mörder und Conan will einfach noch nichts über ihn gehört haben. Selbst im Zeitalter der Barbaren, auch ohne Twitter und Facebook, müsste doch eigentlich dessen Ruf selbigem vorauseilen.

 

Wer große darstellerische Leistungen erwartet ist im falschen Genre. Sicher Jason Mamoa hat das Charisma eines Felsblocks und kann zu keiner Zeit mit Arnold Schwarzenegger mithalten, dennoch ist er Serien-Conan Ralf Möller deutlich überlegen und den ganzen Italo-Barbaren zumindest ebenbürtig. Viel zu sagen hat er eh nicht und rein vom körperlichen ist Herr Mamoa ein wahrer Vorzeigebarbar.

Was Nebendarsteller anbelangt so ist die Liste schnell abgehackt: Dauernebendarsteller Ron Perlman als Conans Vater ist ok, wirkt in seinem dicken Kostüm und mit flauschigem Bart eher wie ein Troll als wie ein Mensch. Gleiches gilt für Stephen Lang als Oberfiesling, der für einen bösen Kriegsfürst aber letzten Endes eine Prise zu lasch daherkommt. Rose McGowan als dessen Tochter nervt mit schlechtem Make-up und noch schlechterem Spiel, während Rachel Nichols als Conans Love Interest in knappen Kostümen und mit der obligatorischen Sexszene immerhin optisch punkten kann. Conans übrige Sidekicks haben gerade genug Screentime um nicht auf die Nerven zu gehen.

 

‚Conan’ ist im Kino gnadenlos gefloppt. Berechtigt? Durchaus. Aber ist er so schlecht, wie viele Kritiker ihn machen? Sicherlich nicht. Der Film ist eine einzige Trashorgie und sicher nichts für Hirn, Herz und Magen, aber dennoch über weite Strecken durchaus unterhaltsam. Zwar kann er zu keiner Zeit mit dem Original mithalten, all den anderen Barbaren-Kloppern ist er aber mindestens ebenbürtig. Und wann gab es denn das letzte Mal einen halbwegs aufwendigen Barbarenfilm zu sehen?
Wer zuviel erwartet wird enttäuscht, wer den Film als das nimmt, was er ist – belanglose Daueraction – wird bis zum schwachen Finale gut unterhalten, für das gibt es jedoch Abzüge.

5 von 10 Glückskekse

2 Kommentare 15.3.12 15:14, kommentieren

Im Fandenkreuz: Dante Lams 'The Sniper'

 

Als Edison Chen im Februar 2008 seinen Computer reparieren lies hatte er wohl am wenigsten damit gerechnet, sich kurze Zeit später auf den Titelseiten sämtlicher Boulevardblätter im chinesischsprachigen Raum wieder zu finden. Irgendjemand hatte auf Chens Rechner ziemlich explizite Bilder des beliebten Sängers und Schauspielers mit seinen nicht minder prominenten Bettgeschichten entdeckt und sogleich ins Internet gestellt. Ein handfester Skandal, der die Unterhaltungsindustrie und auch die Gerichte der ehemaligen Kronkolonie mehrere Monate lang beschäftigte war die Folge. Neben den persönlichen, psychischen Belastungen für alle Beteiligten, bedeutete dieser Skandal auch einen schweren Einschnitt in die Karrieren der beteiligten Prominenten. Eines der bekanntesten Beispiele hierfür ist Dante Lams Actionthriller ‚The Sniper’, vor dem Aufkommen des Skandals fertig gestellt, aber erst danach veröffentlicht, wurde der komplette Film umgeschnitten und einige Szenen nachgedreht um so die von Edison Chen dargestellte Hauptfigur aus dem Fokus zu nehmen. Dass derartige Eingriffe selten glücken dürfte wohl klar sein.

Hartman (Richie Ren) ist Leiter der Scharfschützen des SDU der Polizei von Hongkong. Durch Zufall gerät der junge Streifenpolizist OJ (Edison Chen) in eine von Hartman geleitete Aktion und weiß sich zu bewehren. Der Inspektor rekrutiert ihn für seine Truppe, verbannt ihn aber zunächst auf die Ersatzbank. OJ ähnelt vom Charakter her Hartmans ehemaligen Kollegen Lincoln (Huang Xiaoming), der nach einer eigenmächtigen Handlung im Gefängnis landete. Dieser hat nun seine Haftstrafe abgesessen und verlangt nach Rache.

 

‚The Sniper’ ist mit Richie Ren, Edison Chen und Huang Xiaoming in den Hauptrollen gut besetzt, wenngleich Chen und Huang gelegentlich etwas lethargisch ihren Text runterrasseln, stimmt die Chemie zwischen den Schauspielern. Chens draufgängerischer Jungspund passt gut zu ihm und der junge Darsteller bringt die nötige Arroganz und Selbstüberschätzung für die Rolle mit.

Huang wirkt teilweise etwas unbeteiligt und den gebrochenen Helden stellt er besser dar als den gnadenlosen Rächer.

Richie Ren überzeugt als integerer Inspektor ebenso wie als allein erziehender Vater.

In einer etwas größeren Nebenrolle tritt zudem Liu Kai-Chi auf, der etwas väterliche Wärme in den rauen Polizeialltag bringt.

Kameramann Cheung Man-Po liefert schicke Bilder der asiatischen Metropole, die, sobald es in windige Höhen geht, ziemlich spektakulär sind. Die meiste Zeit über setzt Lam weniger auf bekannte Schauplätze und siedelt seinen Film in Wohnvierteln, Hinterhöfen und den Außenbezirken an, was dem Ganzen eine gewisse Authentizität bringt.

Der Film bietet einige schöne urbane Actionszenen, die allesamt perfekt inszeniert sind und teilweise auch recht blutig ausfallen. Lediglich der etwas langatmige Showdown enttäuscht.

 

Wo sich Lam dieses Mal verzettelt ist die Geschichte. Seine Filme erfinden nie den Thriller neu, aber gerade bei ‚The Sniper’ wirken viele Elemente der Story lieblos und formelhaft. Wie immer gibt es auch hier eine große Portion Seifenoper dazu. Jeder der Hauptcharaktere hat sein Päckchen zu tragen, die einzelnen Handlungsstränge werden aber relativ schnell und oberflächlich abgearbeitet ohne tiefer auf die Probleme oder gar etwaige Lösungsansätze einzugehen. So tauchen Hartmans Frau und Tochter beispielsweise nur in einer Szene zu Beginn auf, ebenso wie OJs Vater, ihr Schicksal bleibt der Fantasie des Zuschauers überlassen. Statt die familiären Probleme seiner Figuren nur anzukratzen, hätte Lam besser auf sie verzichten sollen.

 

Auch der Neuschnitt des Filmes war dem Endprodukt nur wenig zuträglich. OJ, augenscheinlich in der ersten Fassung als bindender Charakter zwischen Hartman und Lincoln und Identifikationsfigur des Publikums vorgesehen, verkommt vor allem in der Mitte weitestgehend zum Statist. So sind dann auch einige seiner Szenen, beispielsweise sein Aufeinandertreffen mit Lincoln oder sein angerissenes Privatleben, in der vorliegenden Fassung vollkommen bedeutungslos. Ebenso wenig gibt es in dieser Fassung einen Hauptcharakter, so springt die Handlung immer unentschlossen zwischen Hartman, Lincoln und OJ hin und her ohne sich wirklich auf eine oder zwei Figuren zu fokussieren. Der Konflikt zwischen Hartman und Lincoln, eigentlich Hauptmotor der Geschichte und das Finale büßen dadurch einiges an Spannung und Überzeugungskraft ein. So besitzt der Film trotz einer Laufzeit von unter 90 Minuten doch die ein oder andere Länge.

 

Dante Lam bleibt auch mit ‚The Sniper’ seinem eigenen Stil treu und liefert einmal mehr optisch ansprechende, hoch budgetierte Thriller-Unterhaltung, die allerdings durch unmotivierte Drama-Einschübe und den mehr oder weniger nötigen Umschnitt einiges an Potential auf der Strecke lässt. Der kommerzielle Erfolg wäre mit Edison Chen als Hauptdarsteller vielleicht weitaus schlechter ausgefallen, der Film aber auf jeden Fall bedeutend besser.

6 von 10 Glückskekse

1 Kommentar 10.1.12 15:39, kommentieren

Lost in Taipeh - Peter Keglevics 'Der Chinese'

 

Neben Rosamunde Pilcher und Donna Leon ist Henning Mankell der Autor, der wohl am häufigsten für das deutsche öffentlich-rechtliche Fernsehen verfilmt wird, meist als internationale Co-Produktionen. So auch Mankells Bestseller ‚Der Chinese’, den die ARD als letztes großes TV-Event des Jahres 2011 als deutsch-schwedisch-österreichisches 3-Stunden-Epos realisierte und mit Suzanne von Borsody und Michael Nyqvist (bekannt aus den Stieg-Larsson-Verfilmungen) recht prominent besetzte. Mit Peter Keglevic (‚Kongo' ) konnte zudem ein TV-Event-Film erprobter Regisseur engagiert werden. Das ordentliche Budget und internationale Drehorte versprechen auf dem Papier einen spannenden Fernsehabend, doch ‚Der Chinese’ entpuppt sich schon bald als ganz große Mogelpackung.

In einem kleinen schwedischen Dorf werden 19 Menschen Opfer eines grausamen Verbrechens: sie alle wurden auf bestialische Weise mit einem Schwert hingerichtet und grausam verstümmelt. Unter den Opfern befinden sich die Eltern und einige entferntere Verwandte der Richterin Birgitta Roslin (Suzanne von Borsody). Schnell hat die Polizei einen Tatverdächtigen, der die Tat auch gesteht. Doch Roslin zweifelt. Ein ähnliches Verbrechen in den USA und ein geheimnisvoller Chinese deuten auf weit mehr als die Tat eines Wahnsinnigen hin. Die Spur führt sie und ihren zukünftigen Ex-Mann nach Guangzhou, Volksrepublik China.

Größtes Problem des Thrillers ist Mankells Vorlage. ‚Der Chinese’ ist nicht Mankells bester Roman und so ist auch die Verfilmung äußerst unausgegoren. Unentschlossen springt die Handlung zu Beginn zwischen den lokalen Ermittlern am Tatort, der Richterin Roslin, China und Rückblenden in die USA Mitte des 19. Jahrhunderts hin und her. Das sorgt einerseits zwar für etwas Kurzweil, andererseits aber auch dafür, dass ziemlich schnell Motiv und Täter klar werden und man die kommenden gut 140 Minuten auf eine überraschende Wendung hofft, die allerdings nie eintritt. Alles ist zu offensichtlich, zu simpel und ziemlich weit hergeholt. Das Motiv ist lachhaft und stellt selbst so manchen schlechten US-Thriller in den Schatten.

Viele Hinweise werden durch den Zufall forciert, so findet Roslin beispielsweise gleich zwei Hinweise direkt auf den Titelseiten verschiedener chinesischer Zeitschriften.

Die Stimmung des Films ist ruhig, selten kommt es zu dramatischen oder gar schockierenden Szenen, dennoch ist die eine oder andere Gewaltdarstellung, gerade am Anfang, für einen FSK-12-Film doch recht drastisch.

Der Film ist sehr dialoglastig, es wird viel geredet, meistens um den heißen Brei und selten wirklich sinnvoll. Die im Buch recht positive Darstellung Maos wird versucht so weit wie möglich zu umschiffen, Roslins jugendliche Begeisterung für den chinesischen Führer wird nur einmal am Rande angekratzt und durch hinlänglich bekannte Lappalien eines schwedischen Sinologen kritisiert. Themen wie Kapitalismus versus Kommunismus und die Probleme, die ebenjene Entwicklungen für China und die Welt mit sich bringen werden grob umrissen kommen aber niemals über Stammtischwissen hinaus. Floskeln und Banalitäten geben sich die Klinke in die Hand.

Die Ausbeutung der nach Amerika ausgewanderten Chinesen – freiwillig oder unfreiwillig – im 19. Jahrhundert wird zu einer noch immer blutenden nationalen Wunde hochstilisiert, wohingegen die noch immer sehr viel präsenteren Kriegsverbrechen der Japaner während des 2. Weltkrieges mit keinem Wort erwähnt werden.

Die Figuren sind ziemlich klischeehaft: Richterin Roslin ist eine starke Frau, mit ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn, immer rechtschaffen, immer auf der richtigen Spur und niemals bestechlich. Selbst als sie sich am Ende über ihre Prinzipien hinwegsetzt handelt sie doch eher aus Notwehr als aus Rache. Suzanne von Borsody gibt der Figur zwar etwas Profil, wirkt in vielen Szenen, vor allem in China, doch sehr hölzern.

Gleiches gilt für Michael Nyqvist. Glänzte er noch in den Stieg-Larsson-Verfilmungen, spielt er Roslins Ex-Ehemann mit bedrückender Gleichgültigkeit. Zudem hat er derart wenige Szenen, dass die Erwähnung als zweiter Hauptdarsteller fast schon ironisch wirkt. Seine Figur ist bestenfalls Beiwerk und trägt kaum etwas zur Handlung bei.

Claudia Michelsen als schwedische Kommissarin wirkt deplaziert und amateurhaft. Wenn sie zu Beginn mit gezückter Waffe durch das Dorf schreitet mutet sie mehr wie ein Kind mit Wasserpistole als wie eine erfahrene Polizistin an. Immerhin verschwindet ihre Figur nach gut 90 Minuten – mit einer kurzen, unnötigen Unterbrechung – vollkommen aus der Handlung.

Am schlimmsten hat es aber die Chinesen erwischt. Der titelgebende Chinese wird von dem Japano-Amerikaner James Taenaka gespielt, ein immer noch üblicher Faux Pas bei internationalen Produktionen. Sein spiel ist okay, seine Rolle als kapitalistisch motivierter Geschäftsmann einerseits und düsterer Ränkeschmied andererseits teils arg lächerlich.

Die aus Singapur stammende Amy Cheng ist wenigstens ethnisch gesehen Chinesin und ganz nett anzusehen, wenngleich auch ihre Rolle nicht wirklich originell ist. Zwischen familiären und parteilichen Verpflichtungen hin und her gerissen überzeugt sie auch darstellerisch nur bedingt. Der ein oder andere Ausspruch ihrerseits sorgt selbst bei China-Laien für heftiges Stirnrunzeln. Als Mitarbeiterin des chinesischen Staatsschutzes, oder welcher Polizeibehörde auch immer (Zitat: „Ich bin für die Sicherheit in Kanton verantwortlich" ) rennt sie den ganzen Film über als einzige Chinesin in einem traditionellen chinesischem Kleid herum, was für eine Polizistin doch recht unpraktisch sein sollte und sich auch in der Volksrepublik bei Büromitarbeitern westliche Kleidung etabliert hat.

Immerhin können Musik und Kameraarbeit die meiste Zeit überzeugen. Chefkameramann Alexander Fischerkoesen fängt nette Bilder der taiwanesischen Hauptstadt Taipeh ein. Taipeh? Ja, genau Taipeh. Die republikchinesische Metropole muss als Double für Guangzhou Pate stehen und spätestens bei Roslins Ankunft in der Stadt wird ‚Der Chinese’ endgültig zur Lachnummer: Schilder mit traditionellen Schriftzeichen (im Gegensatz zu den in der VR China verwendeten vereinfachten Schriftzeichen) oder die typische gelbe Lackierung der taiwanesischen Taxis mögen nur Kennern auffallen, das berühmte Grandhotel und einige kurze Shots von Taipeh 101 dürften aber auch bei durchschnittlich gebildeten Zuschauern Fragen aufwerfen. Besonders dreist wird die Angelegenheit wenn hin und wieder Karten Guangzhous eingeblendet werden, die entsprechende Person sich aber eindeutig in Taipeh aufhält. Dass die örtliche Polizei wenigstens einigermaßen china-ähnliche Uniformen spendiert bekommen hat, vor einem Polizeirevier mitten im Trendviertel Ximen ein chinesisches Polizeiauto parkt und einige eingeblendete Zeitschriften in vereinfachten Schriftzeichen gehalten wurden reicht leider nicht zur Ehrenrettung.

Immerhin war man in Taiwan mit dem Ausstellen von Drehgenehmigungen recht großzügig und so bekommen wir einige schöne Aufnahmen der Stadt und des internationalen Flughafens Taoyuan – inklusive einer Totalen der Haupthalle mit einigen Hinweisen auf Taiwan – zu sehen.

Schlimm wird es in den Rückblenden in die USA. Augenscheinlich in Schweden gedreht, sind Nevadas Wälder erstaunlich gut belaubt wodurch diese Szenen der Atmosphäre den finalen Todesstoß versetzen.

‚Der Chinese’ ist in der ersten Hälfte ein langatmiger und langweiliger Thriller, in der zweiten Hälfte wird er dann bestenfalls zu einem netten Städtetrip durch Taiwans Hauptstadt, bis zur lächerlichen Auflösung und dem lahmen Finale.

Der Film ist gut eine Stunde zu lang und auch darstellerisch nicht sonderlich bewegend.

Taipeh als Drehort wäre vertretbar hätte man sich wenigstens Mühe gegeben die Stadt richtig ‚chinesisch’ wirken zu lassen, stattdessen gibt es eine Tour entlang der Sehenswürdigkeiten. Inhaltlich wie visuell wird dem Zuschauer so nicht nur ein lahmer Thriller sondern auch ein verfälschtes Chinabild (Taiwan ist immerhin eine Demokratie) vermittelt.

 

2 von 10 Glückskekse

1 Kommentar 31.12.11 11:03, kommentieren

Captain Iglo auf Weltraummission: Takashi Yamazakis: 'Space Battleship Yamato'

 

Seit Ende der zweiten Star Wars Trilogie gab es für Freunde aufwendiger Space-Operas wenig Berauschendes. Lediglich der Star-Trek-Relaunch oder die ein oder andere TV-Serie entführten die geneigten Zuschauer in Fremde Galaxien und in den Kampf gegen außerirdische Bedrohungen.

Was Hollywood in den letzten Jahren schmerzlich vernachlässigt hat, rief die Japaner auf den Plan, die ihr ‚Space Battleship Yamato’ auf ein Himmelfahrtskommando an den Rand der bekannten Galaxien schicken. Stell sich nur die Frage, ob das Raumschiff tatsächlich mit dem Rasenden Falken, der Galactica und dem Raumschiff Enterprise mithalten kann?

2194: Die Erde ist durch die Angriffe der Gamiloner zu einem kaum bewohnbaren Ort geworden. Die atomar verseuchte Oberfläche meidend vegetieren die letzten Überbleibsel der Menschheit in unterirdischen Städten vor sich hin, während in der Umlaufbahn der Erde die wenigen verbleibenden Kampfschiffe einen aussichtslosen Kampf gegen die außerirdischen Invasoren kämpfen. Eine mysteriöse Botschaft aus dem All verspricht einen letzten Funken Hoffnung: weit entfernt soll es eine Macht geben, die die Gamiloner besiegen und die Erde wieder bewohnbar machen könnte. Das letzte verbleibende Kriegsschiff, die Yamato, begibt sich mit ihrer Crew, Admiral Juzo Okita (Tsutomu Yamazaki), dem rebellischen Piloten Susumu Kodai (Takuya Kimura) und seiner Ex-Freundin Yuki Mori (Meisa Kuroki), auf die Reise, doch der Feind ist ihnen dicht auf den Fersen.


 

‚Space Battleship Yamato’ macht es nicht leicht. Der Einstieg ist plump, wenig episch und die Reisevorbereitungen sind schnell abgehandelt, so dass das Schiff nach knapp 20 Minuten auf Kurs ist. Nach einer kurzen Actionszene gibt es lange Zeit wenig Space und viel Opera. Story, Darsteller und die ein oder andere Kulisse kommen in dieser Zeit leider auch nicht über Seifenopern-Niveau hinaus. Die Charaktere sind eindimensional, ihre Darsteller gelegentlich überfordert. Dennoch sind die meisten Schauspieler sehr sympathisch und ihre Figuren wachsen im Laufe der Zeit gewissermaßen ans Herz. Leider wird vielen der Figuren zu wenig Zeit eingeräumt, was hinsichtlich einiger interessanter Charaktere sehr schade ist. Stattdessen werden unnötige Nebenhandlungen lang und breit ausgetappt, wodurch der Film streckenweise sehr zäh wird.

Natürlich darf bei einem Film um ein (Raum-) Schiff mit dem Namen ‚Yamato’ der typisch japanische Kriegsfilmpatriotismus nicht fehlen.


Durch die doch eher abstrakte Bedrohung durch die Aliens und relativ geringem Zeitdruck kommt leider nur selten Spannung auf und wenn wird sie meist durch unsinnige Dialoge und übertriebene Dramatik im Keim erstickt. Wie toll wäre mal wieder ein größenwahnsinniger Imperator, der das Universum versklaven möchte und sich dazu allerlei hybride Lebensformen gefügig macht, anstelle in Höhlen lebender arachnoider Spezies.

Gelegentlich gibt es aber auch Action und die ist gar nicht so schlecht. Die Weltraumschlachten sind bedauerlicherweise sehr kurz gehalten und meist von einer übergroßen Kanone schnell beendet. Ein wenig mehr Jäger-Action wäre hier schön gewesen, zumal die Weltraumeffekte ganz gut gelungen sind. Weniger gut sind die abstrakten, CGI-erzeugten Hintergründe auf dem Alienplaneten. Hier gibt es dann auch einige Schießereien, die stark an Paul Verhoevens ‚Starship Troopers’ erinnern, inklusive einiger recht blutiger Einstellungen. Ansonsten spielt sich die meiste ‚Action’ – typisch ‚Star Trek’ – auf der Brücke ab. Ein Umstand, der Liebhaber deftiger Space-Action der Marke ‚Star Wars’ – wie mich – dich etwas schmerzt.

Leider zieht sich dank ausgiebigem Druck auf die Tränendrüse das Finale fast schon ermüdend in die Länge.

‚Space Battleship Yamato’ bedient sich stilistisch wie inszenatorisch bei allerlei Klassikern von ‚Star Trek’ über ‚Star Wars’ bis zur neueren ‚Battlestar Galactica’-Serie und muss sich deshalb auch Vergleiche zu eben jenen Vorbildern gefallen lassen. Vom Erzählstil her eher ‚Star Trek’, vom Setting ‚Battlestar Galactica’ werden Fans von Ersterem durchaus ihre Freunde mit ‚Space Battleship Yamato’ haben, während Freunde großer Raumschlachten ihre Erwartungen etwas dämpfen sollten.

Der Film ist kein Totalausfall, obwohl etwas geschwätzig, zu tränendrüsig und gut eine halbe Stunde zu lang, unterhält er doch solide und verkürzt das Warten auf George Lucas’ nächste Neuvermarktung der Star Wars-Serie.

6/10 Glückskekse

1 Kommentar 13.12.11 16:54, kommentieren