Die Rückkehr einer Legende: Yuen Woo-Pings 'True Legend'

Originaltitel: 蘇乞兒 (Su Qi-Er)
Herstellungsland/-jahr: Hongkong, VR China 2010




Format:
2,35:1

Regie: Yuen Woo-Ping
Drehbuch: To Chi-Long
Darsteller: Vincent Zhao Wen-Zhou, Andy On, Zhou Xun, Jay Chou Jie-Lun, Michelle Yeoh, Gordon Liu, Leung Kar-Yan, David Carradine, Feng Xiaogang
Preise: -



14 lange Jahre mussten Fans warten bis die Legende der Actionchoreographie Yuen Woo-Ping ('The Matrix', 'Crounching Tiger, Hidde Dragon', 'Kill Bill Vol. 1 & 2') endlich wieder auf dem Regiestuhl Platz nehmen sollte. Glänzten Yuens frühere Werke (u.a 'Drunken Master' und 'Iron Monkey')  durch ausgefeilte Actionszenen Szenen und handwerkliches Geschick, leideten sie in gleichem Maße an übertriebenem Humor und schlechten Drehbüchern (v.a. 'Fire Dragon' und 'Wing Chun'). 'True Legend' scheint dies ändern zu wollen, zieht er doch mit einer höchst dramatischen Geschichte um den Erfinder des 'Drunken Boxing' Bettler Su ins Felde...



China im letzten Drittel der Qing-Dynastie: Der General Su Qi-er (Vincent Zhao) hat für sein Land viele Verdienste errungen und gerade erst einen Prinzen aus der Hand von Rebellen befreit, dennoch leht er die Berufung zum Gouverneur ab und  überlässt den Posten seinem Stiefbruder (Andy On), um sich von nun an um Frau (Zhou Xun) - die Schwester seines Stiefbruders - und Kind zu kümmern.
Als Sus Bruder zur Geburtstagsfeier seines Stiefvaters eintrifft ziehen Wolken am Himmel auf. Der frisch berufene Gouverneur geseteht seiner Schwester seine inzestiösen Gefühle, tötet seinen Stiefvater, der einst seinen leiblichen Vater tötete und verschleppt Schwester und Neffen. Su zieht aus sie zu befreien, unterliegt aber im Kampf und muss mit seiner Frau in die Berge fliehen, wo er von einer Einsiedlerin (Michelle Yeoh) gepflegt und vom Gott Wushu (Jay Chou) und dessen Begleiter (Gordon Liu) unterrichtet wird.



'True Legend' macht es seinem Publikum nicht leicht. Die ersten gut 75 Minuten des Filmes ist er ein netter Martial-Arts-Film mit zwar recht konventioneller Story und einigen dramaturgischen Schnitzern, besonders der auf Grund schlechter CGI-Hintergründe surreal anmutende Part mit dem Gott Wushu, der nur in Sus Gedanken existiert, ist unpassend und sorgt, ebenso wie einige unnötige Drama-Elemente, für gewisse Längen.



Andy Ons Gouverneur ist eine einzige Karikatur: mit in die Haut implantierten Rüstungsteilen, unglaublich balsser Haut, großem Verlangen nach der Liebe seiner Schwester und einer eher nach Krankheit aussehenden Giftfaust ist er eigentlich ein Fall für diverse Ärzte als für das Amt des Gouverneurs. Er und Vincent Zhao liefern sich rasante Duelle mit ausgefallenen Techniken, während beide Darsteller in den dramatischen Szenen an ihre Grenzen stoßen. Dennoch ist dieser erste Teil durchaus unterhaltsam.



Wirklich schlimm ist allerdings das 2. Kapitel, das den Zuschauer nach dem eigentlichen Showdown erwartet. Von Stil, Story und Stimmung völlig anders als der erste Teil wirkt dieser lange Epilog wie eine Kurzversion von Jet Lis 'Fearless', ohne jemals dessen Klasse zu erreichen. Dieses unpassende Teilstück ergötzt sich zudem in ausschweifendem Chinapatriotismus.



Sets und Kostüme sind auf einmal weit weniger stimmig und wirken eher wie aus den 1920er Jahren als aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.
Die finale Kampfszene ist dann auch eher enttäuschend ausgefallen: Vincent Zhaos Kampf gegen mehrere westliche Wrestler ist mehr wildes aufeinander Einschlagen als ausgefeilte Choreographie.



Die Wandlung Su Qi-ers vom General zur saufenden Memme zum großen Kämpfer zum saufenden Penner zum siegreichen Kämpfer ist wenig überzeugend und auch die Gastauftritte von David Carradine und Feng Xiaogang - letzterer taucht erst im Abspann auf - hätte man sich getrost schenken können.



'True Legend' hätte etwas ganz Großes sein können, verheddert sich aber in unnötigem Patriotismus und einer unentschlossenen Geschichte. Der recht unterhaltsame erste Teil und die ausgezeichneten Actionszenen lassen den Film zwar nicht zum Totalausfall werden, eine kleine Enttäuschung ist er aber trotzdem.

6 von 10 Glückskekse


Die Blu Ray: Splendid (Deutschland)


Bildqualität:
gut
2,35:1, 1080p ; größtenteils gute Schärfe, etwas wenige Details in dunklen Szenen.


Tonqualität:
sehr gut

DTS HD Master Audio 5.1 (Deutsch, Mandarin): knallige Effekte, gute Abmischung


Extras:
mieß

Außer einer Trailershow für andere Titel gibt es nix, zudem liegen einige Trailer nur in SD und letterboxed vor.

Untertitel:
Deutsch
Qualität der Untertitel: okay
Augenscheinlich Dubtitles, gutes Timing, fehlerfrei.
Qualität der Synchro: okay
Teilweise sehr unpassende und emotionslose Sprecher. Durch schlampiges Dialogbuch/schlampige Dialogregie geht ein Teil der Atmosphäre verloren. Splendid hat schon bessere Synchros gemacht.

FSK:
ab 16
Altersempfehlung: ab 16

Besonderheiten:
Die Blu Ray verfügt über ein Wendecover ohne neues FSK-Logo.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1 Kommentar 9.7.11 12:36, kommentieren

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Eine Frau sieht rot: Burt Kennedys 'In einem Sattel mit dem Tod'

Originaltitel: Hannie Caulder
Herstellungsland/-jahr: Großbritannien 1971




Format: 2,35:1

Regie: Burt Kennedy
Drehbuch: Burt Kennedy, David Haft
Darsteller: Raquel Welch, Robert Culp, Ernest Borgnine, Strother Martin, Jack Elam, Christopher Lee
Preise: -


In den 1970ern war das Westerngenre fest in italienischer Hand. Während in den USA dem Genre langsam die Luft auszugehen schien wurde in den italienischen Studios und in der spanischen Wüse fleißig weitergedreht und die Filme füllten die Kinosäle in ganz Europa, ehe Mitte der 1970er das Interesse langsam nachzulassen schien.
In einem Sattel mit dem Tod, ist in gewisser Weise einzigartig: in der Hochzeit des italienischen Westerns wurde der Film mit amerikanischen Darstellern von einem amerikanischen Regisseur für ein britisches Studio im spanischen Almería gedreht.



Hannie Clauder (Raquel Welch) lebt zusammen mit ihrem Ehemann auf einem kleinen Außenposten an der amerikanisch-mexikanischen Grenze. Als die drei kriminellen Brüder Emmet (Ernest Borgnine), Frank (Jack Elam) und Rufus Clemens (Strother Martin) auf der Flucht vor mexikanischen Soldaten auftauchen ist es mit Ruhe und Frieden vorbei: die drei töten Hannies Mann, vergewaltigen sie und brennen anschließend den Außenposten nieder. Hannie überlebt und wird von dem Kopfgeldjäger Thomas Luther Price (Robert Culp) aufgelesen. Sie bittet ihn ihr das Schießen beizubringen um sich an ihren Peinigern rächen zu können.



Das klingt alles schwer nach Italo-Western? Stimmt. In einem Sattel mit dem Tod atmet den Geist des Italo-Westerns: seien es Atmosphäre, Story, Figuren, Stil.
Raquel Welch spielt klasse: tough, frech und unglaublich sexy. Die Wandlung von der naiven und schwachen Witwe zur knallharten Rächerin nimmt man ihr jederzeit ab. Von Zeit zu Zeit zeigt sie gewagt viel Bein und Hüfte und hin und wieder huscht auch ein netter Onliner über ihre Lippen, was für zusaätzliche Auflockerung sorgt.



Robert Culp als grimmiger Kopfgeldjäger mit Herz, der Hannie das Rüstzeug für ihre Rache mit auf den Weg gibt und mit Brille, Doppelnamen und überlangem Revolver etwas kurios daherkommt, überzeugt ebenfalls. Besonders hervorstechen tun allerdings die Clemens-Brüder: Strother Martin als Dauernörglner mit zerschossenem Bein, Ernest Borgnine als das unberechenbare Gehirn der Brüder und Jack Elam als durchgeknaller Alkoholiker mit lockerem Abzugsfinger: sie alle gehen voll in ihren Rollen auf, erzeugen gleichzeitug Faszination, Abscheu und kleine Lacher. Die markanten Gesichter der Drei tun ihr Übriges.
Hammer-Dracula Christopher Lee spielt eine ungewöhnliche, aber sehr sympathische Gastrolle.



Die Story ist nicht neu, bedient sich aber neben klassischen Italo-Western-Elementen auch beim Eastern-Genre, was durch die ausgiebigen Trainingsequenzen und die gut skizzierte Lehrer-Schüler-Beziehung deutlich wird. Selbstverständlich kommen auch Shootouts nicht zu kurz und so wird teilweise ziemlich heftig geballert. Das Gunplay ist gut und die resultate meist äußerst blutig. Das Finale ist spannend und ausgefeilt inszeniert, wenn auch die große Schießerei ausbleibt (die gibt es aber schon vorher).



Die knackige Laufzeit von unter 85 Minuten sorgt für eine straighte Westerngeschichte ohne unnötigen Schnickschnack oder sonderliche Längen.
Regisseur Burt Kennedy tut gut daran nicht allzu viel Exploitatinmaterial in den Film zu bringen und - vorallem die sexuell motivierten - Gewalt nicht zu verherrlichen.



Die Musik ist passend, erinnert aber mehr an amerikanische Western. Das Titelthema geht sogar richtig ins Ohr.
Kulissen und Ausstattung bewegen sich auf gehobenem Niveau. Die Stadt sieht sogar richtig wertig aus, die Naturaufnahmen sind ohnehin über jeden Zweifel erhaben.
An Kamera und Schnitt ist ebenfalls nichts auszusetzen.



In einem Sattel mit dem Tod ist ein klasse Rachewestern mit einer unglaublich heißen Heldin. Lediglich der etwas minimalistische Showdown ist zu kritisieren, wird aber durch sehr gute Darsteller, viel Atmosphäre und die bereits erwähnte Raquel Welch mehr als ausgeglichen.

9 von 10 Glückskekse

Die DVD: EMS(Deutschland)

Bildqualität:
 gut
2,35:1, anamorph; gute Schärfe, teilweise recht mitgenommenes Filmmaterial, für das Alter aber dennoch gut
Tonqualität: okay
Dolby Digital 1.0 Mono (Deutsch, Englisch): etwas blechern und dumpf, aber gut verständlich (Deutsch); der englische Ton bekommt besonders bei der Dialogverständlichkeit Abzüge 
Extras: solala
Ein Trailer, eine Bildergalerie mit heißem Werbematerial und eine Super-8-Fassung (auf Englisch) sind das einzige Bonusmaterial.
Untertitel: Deutsch
Qualität der Untertitel: gut
Augenscheinlich Dubtitles, gutes Timing. Da die Synchro aber ziemlich nah am Original ist, noch gut.
Qualität der Synchro: gut
Passende Sprecher, genügend Emotionen.
FSK:
ab 16 (DVD trägt das Siegel keine Jugendfreigabe)
Altersempfehlung: ab 16
Besonderheiten:
Die DVD wird auch in der limitierten großen Hartbox von Tombstone Media vertrieben. Die EMS-DVD ist out of Print.


1 Kommentar 3.7.11 16:21, kommentieren

Erste Klasse? Matthew Vaughns 'X-Men: First Class'

Originaltitel: X-Men: First Class
Herstellungsland/-jahr: USA 2011


Format: 2,35:1

Regie: Matthew Vaughn
Drehbuch: Ashley Miller, Zack Stentz, Jane Goldman, Matthew Vaughn
Darsteller: James McAvoy, Michael Fassbender, Kevin Bacon, Rose Byrne, Jennifer Lawrence, January Jones, Oliver Platt, Nicholas Hoult, Jason Flamyng, Michael Ironside

Die X-Men zählen zu den beliebtesten Comic-Superhelden der Welt. Die bisherigen Verfilmungen, einschließlich des Prequels X-Men Origins: Wolverine waren an den Kinokassen außerordentlich erfolgreich. Dies war nicht zuletzt Hugh Jackman (Australia) geschuldet, der perfekt als immer missgelaunter und störrischer Wolverine besetzt wurde. Nicht umsonst wurde sein Part von Folge zu Folge erweitert, ehe er seinen komplett eigenen Film bekam. Ohne Zweifel ist Wolverine eine der interessanten und vielschichtigsten Figuren des Marvel-Universums. Es stellt sich also die Frage inwieweit X-Men: First Class ohne die Galionsfigur der Reihe überzeugen kann.

 

In den 1960er Jahren lernen sich der etwas versnobte Professor Charles Xavier (James McAvoy) und der KZ-Überlebende Erik Lehnsherr (Michael Fassbender) kennen. Beide sind außerordentlich mächtige Mutanten. Im Dienste der CIA sollen sie und andere Mutanten den größenwahnsinnigen Ex-Nazi-Arzt Sebastian Shaw (Kevin Bacon) aufhalten, der die Supermächte USA und UDSSR in den dritten Weltkrieg manövrieren will.

 

X-Men: First Class beschreibt im Prinzip den Gründungsmythos der X-Men. Die Geschichte wird fast komplett von James McAvoy und Michael Fassbender getragen, die wirklich perfekt besetzt sind. McAvoy nimmt man die Wandlung vom etwas arroganten Jungprofessor zum pflichtbewussten Freizeitagent jederzeit ab und Michael Fassbender zieht gerade im Mittelteil einen Großteil Sympathie auf seine Seite. Er ist perfekt als der zwischen Freundschaft, Rache und seinen eigenen fatalistischen Zielen hin und her gerissene Magneto.
Kevin Bacons größenwahnsinniger Sebastian Shaw wirkt mit seinen pastellfarbenen Anzügen und breitem Perlweißlächeln wie ein wahnsinniger Dieter-Bohlen-Klon. Das und sein Plan die Menschheit durch den atomaren Holocaust zu vernichten machen ihn eindeutig zum fiesesten Superschurken der Kinosaison. Jennifer Lawrence als Mystique kann die innere Zerrissenheit ihrer Figur sehr gut darstellen und ist eine klare Steigerung zur doch eher blassen Rebecca Romijn aus den vorangegangenen Filmen. Gleiches gilt für Nicholas Hoult als Beast, der sich mit seinen deformierten Füßen nicht abfinden kann und schließlich einen hohen Preis zahlen muss.
Rose Byrne als CIA-Agentin und January Jones als Emma Frost sind sexy Beiwerk und Jason Flemyng als Azazel sorgt für die besten Kampfszenen im ganzen Film. Außerdem gibt es ein Wiedersehen mit Oliver Platt als CIA-Agenten und Michael Ironside als General.

 

Effekte und Action sind gut und spannend gemacht. Wer allerdings ein Actionfest wie in Wolverine erwartet ist hier im falschen Film. Die Action ist wohldosiert und niemals dominant und nur im verhältnismäßig langen Showdown kommen die Kräfte der Mutanten voll zum Einsatz.

Regisseur Matthew Vaughn (Kick Ass) nimmt sich viel Zeit die Geschichte seiner Figuren zu erzählen und so ist der Film mit über zwei Stunden Laufzeit sehr lang – aber nie langweilig. Die Geschichte, die immer wieder Bezug zu realen Ereignissen, hauptsächlich zur Kubakrise, nimmt ist interessant und wird immer wieder durch einige kleine Gags und zwei sehr lustige Cameos aufgelockert, die niemals unpassend oder aufgesetzt wirken.

 

Was negativ ins Gewicht fällt sind einige Abweichungen zu den Vorgängerfilmen. So sind Charles Xavier und Mystique von Kindheit an Freunde, worauf in den vorangegangenen Filmen nie Bezug genommen wird. Die Szenen im KZ könnten dramatischer und erschreckender sein und die eine oder andere Mutantenkraft wirkt etwas albern, ein Totalausfall wie Toad aus dem ersten X-Men gibt es aber nicht.

 

X-Men: First Class hat Action und Spannung, Herz und Seele und ist Superhelden-Kino erster Klasse!

9 von 10 Glückskekse

1 Kommentar 30.6.11 17:23, kommentieren

Manus Quickie: Tsui Harks 'Dangerous Encounter - First Kind'



Eine Gruppe Jugendlicher überfahren auf einer nächtlichen Spritztour einen Passanten und begehen Fahrerflucht. Leider werden sie dabei von der psychisch labilen Wan-shu (Lin Chen-chi) beobachtet, die sich von nun an an die Fersen der Jungs heftet und quasi Teil der Gruppe wird. Komplizierter wird das ganze den Teens ein Koffer mit Schecks in Millionenhöhe in die Hände fällt, hinter dem auch eine Gruppe ausländischer Söldner her ist. Zum Glück ist Wan-Shus Bruder (Lo Lieh) Polizist.



Dieser frühe Tsui-Hark-Film glänzt vor allem durch seine ausgefeilte Inszenierung, die ganz klar die Handschrift des Regisseurs erkennen lässt. Die Darsteller, u.a. Lo Lieh, sind solide, von den westlichen Darstllern einmal abgesehen, die durch ausgefeiltes Overaction glänzen. Die Musik ist aus allerlei anderen Film geklaut passt aber gut zum düsteren Großstadtfeeling. Die einigen, wenigen Actionszenen und das Finale sind gut choreogrphiert und meist sehr blutig, für die Gewalt gegen Tiere gibt's aber herbe Abzüge.



Der Film krankt teilweise gewaltig an seiner unentschlossenen Story, besonders zu Beginn ist nie richtig klar was der Film sein möchte: Drama? Thriller? Actionfilm? Horrorfilm? So springt er oftmals willkürlich zwischen Figuren und Handlungssträngen hin und her ohne in irgendeine Richtung zu führen. So ist die anfängliche Unfallflucht schnell vergessen und Kids müssen sich einer Horde Söldner erwehren, die von der Polizei gejagt werden. Die Interpolagenten (u.a. John Sham) verschwinden dann gegen Ende plötzlich auf Nimmerwiedersehen.



Der Grundton des Films ist düster und pessimistisch, dennoch schafft es Tsui Hark einige (unfreiwillig?) komische Szenen einzubauen, etwa eine Frau, die die Eingeweide eines gerade ermordeten Söldners findet und sich beschwert, wie man nur so viel Fleisch verschwenden kann. Solche Szenen sind wahrlich Geschmackssache.



Der Streifen ist nicht schlecht, er ist kompetent inszeniert und teils recht spannend, dennoch bleibt am Ende ein recht fahler Beigeschmack, angesichts der Gewalt und der Frage nach dem eigentlichen Sinn des Ganzen.

6 von 10 Glückskekse

1 Kommentar 25.6.11 17:56, kommentieren

Manus Quickie: Doze Nius 'Monga - Gangs of Taipeh'



Moskito (Mark Chao) wohnt zusammen mit seiner Mutter im berüchtigten Bezirk Monga in Taipei. In der Schule ist er ein Außenseiter, der ein ums andere Mal Hänseleien und Beleidigungen ausgeliefert ist. Als eines Tages Monk (Ethan Ruan) auf ihn aufmerksam wird ändert sich all das schlagartig: Moskito wird Mitglied von Monks Gang und dessen Freund. Als ein Gangster vom Festland (Doze Niu) sich in Monga festsetzen will, wird nicht nur ihre Freundschaft auf eine harte Probe gestellt.



Monga ist ein wuchtiges Gangsterepos um Freundschaft, Macht und Ehre, das sich stilistisch ganz klar an japanischen und koreanischen (nicht unbedingt Gangster-) Filmen orientiert. Präsentiert wird eine klassische Geschichte um Freunde im Gangstermillieu. Was anfangs ein großer Spaß zu sein scheint entwickelt sich schnell zu blutigem Ernst.



Präsentiert wird das Ganze recht chic: die Atmosphäre und die Kulissen stimmen, das Setting ist äußerst detailverliebt: seien es die Kostüme, Kulissen oder auch das Leben auf den Straßen: Monga lebt! Die Kameraarbeit ist exzellent, einige Spielereien wie Rückblenden, Phantasien, etc. lockern den Filmfluss auf und sind, wie der Rest, visuell äußerst ansprechend inszeniert. Gleiches gilt für die Actionszenen, die irgendwo zwischen klassischem Martial Arts, Wire-Fu und realistischem Street Fighting anzusiedeln sind.



Die Darsteller meistern ihre Aufgabe auch sehr gut, wobei die ein oder andere weinerliche Einlage doch fehl am Platz ist, was allerdings wohl eher das Drehbuch zu verantworten hat als die Schauspieler. Dieses ist dann auch der einzig größere Kritikpunkt des Films: die Story nicht neu und das Ende äußerst vorhersehbar. Auch entstammen die Charaktere dem Lehrbuch für Gangsterfilme und sind diesbezüglich recht eindimensional und schablonenhaft geraten. Die Fülle an Nebenfiguren, die nicht immer klar zuzuordnen und von unterschiedlicher Wichtigkeit sind, erfordern ein hohes Maß an Aufmerksamkeit. Auch sind die Machtverhältnisse und Ziele der einzelnen Gangs nicht so klar ausgearbeitet, was die dramaturgische Wendung gegen Ende etwas unglaubwürdig erscheinen lässt.



Dank der fast schon überwältigenden Inszenierung und des hohen Tempos ist all das nicht allzu tragisch. Monga unterhält auf beeindruckende Weise und das ist das Wichtigste.


9 von 10 Glückskekse

1 Kommentar 25.6.11 17:42, kommentieren

Manus Quickie: Tsui Harks 'Detective Dee und das Geheimnis der Phantomflammen'



Tang-Dynastie: Die designierte Kaiserin (Carena Lau) lässt zu ihrer Krönung eine riesige Statue errichten, viele Beamte beobachten ihr Handeln allerdings mit Argwohn. Als in den Bau Involvierte plötzlich ohne erkennbaren Grund in Flammen aufgehen und bei lebendigem Leib verbrennen, lässt die Kaiserin den Ermittlungsrichter Di (Andy Lau) aus der Gefangenschaft holen und betraut ihn mit den Ermittlungen.

Endlich mal wieder guter Stoff von Tsui Hark.
Andy Lau spielt Di Renjie (der übrigens die Vorlage für die Richter Di Romane von van Gulik ist) anfangs als Dauerklugscheißer, der, zugegeben, immer Recht hat - meistens, mit großer Spielfreude. Auch Li Bingbing und Deng Chao als Dr.-Watson-Sidekicks sind sympathisch und nicht um eine Meinungsverschiedenheit verlegen. Carina Lau als kühle Kaiserin fällt hingegen etwas ab, Tony Leung ist die meiste Zeit über quasi eine Art Statist.



Atmosphäre und Inszenierung stimmen. Anfangs fühlt man sich in einigen Szenen gar in Tsuis Blütezeit versetzt, gegen Ende nehmen die Kampfszenen leider zunehmend TV-Serien-Qualität an. Eigentlich hätte man auf die Kampfszenen weitestgehend verzichten können. Der Film funktioniert abseits dieser Szenen viel besser. Auch sind einige CGI-Effekte eher störend: auf den sprechenden CGI-Elch hätte man verzichten können, genauso auf die Kampfszene mit diesem. Warum die Szenen mit den Baumstämmen teils mit 'richtigen' Stämmen (echt gut), teils mit CGI-Stämmen (echt schlecht) gedreht wurden weiß nur Herr Tsui. Die Detektivgeschichte ist ganz klar an Abenteuerfilme aus dem Hollywood der 1980er Jahre angelehnt - inklusive leichtem Mysteryeinschlag -, leider ist die Auflösung etwas vorhersehbar.



'Detective Dee'unterhält trotz seiner Laufzeit durchgängig und bleibt trotz allen Kritikpunkten, die im Ergebnis nicht so schwer wiegen, der beste Tusi-Hark-Film seit gut 10 Jahren. Ein Film, der gerne eine Fortsetzung bekommen kann.

8 von 10 Glückskekse

1 Kommentar 25.6.11 17:27, kommentieren

Manus Quickie: Zhang Ziens 'Der Zauberzopf'



China Ende des 19. Jahrhunderts: Sha'er ist ein einfacher Ladenbesitzer mit einer ganz besonderen Haarpracht: sein Zopf macht ihn unbesiegbar! Als ausländische Mächte immer mehr Einfluss in China bekommen, ergreift Sha'er die Initiative und kämpft für sein Land.

Der Film ist alles andere als ein Reißer. Der Mitte der 1980er in der VR China produzierte Film versucht im ersten Teil auf der Welle der damals populären Kung-Fu-Komödien zu schwimmen, versagt dabei aber auf ganzer Linie: unpassende Gags, schlechte Schauspieler und weit und breit kein Sympathieträger. Hauptdarsteller Wang Yawei ist gnadenlos überfordert und tapst von Station zu Station, von Kämpfchen zu Kämpfchen, immer stolz seinen (Zauber-) Zopf tragend - eigentlich ein Zeichen der Unterdrückung der Han-Chinesen durch die Mandschu. Aber da die Zeit ja bekanntlich alle Wunden zu heilen vermag und die Qing-Dynastie in ihren letzten Atemzügen liegt, scheint man das nicht mehr allzu eng zu sehen. Zumal in der zweiten Hälfte ein neues Feindbild auftaucht: die bösen ausländischen Besatzer. Spätestens jetzt wirft der Film all seine komödienhaften Abitionen über den Haufen und wird ein dösiges Drama. An allen Ecken und Enden wird gejammert wie sehr die Chinesen doch unter den Ausländern zu leiden haben, ein grausames Einzelschicksal folgt dem anderen.

Zumindest entlädt sich die Wut in einer großen Schlacht - vermutlich soll sie den Boxeraufstand darstellen. Politische Hintergründe werden nicht erklärt, hauptsache es wird gekämpft. Das wird es dann auch, aber leider nicht sonderlich Spektakulär. Kostüme und Ausstattung sind ok, teilweise sind auch ordentlich Truppenbewegungen zu verzeichnen. Leider ist all das äußerst dröge inszeniert. Immerhin werden einige blutige Details spendiert: u.a. eine Leiche mit (ganz gut aussehenden) heraushängenden Gedärmen (!).

Am Ende sind dann die Ausländer besiegt und die Qing-Dynastie am Ende. Die 'bösen' Nationalisten schließlich zwingen unseren Held dazu seinen Zopf abzuschneiden, worüber er im Epilog ausschweifend siniert.
Die DDR-Synchro ist bombig und trieft nur so vor sozialistischem Pathos, teils angebracht, teils zu übertrieben.
Historische Fakten werden nur am Rande beleuchtet, ein ordentliches Hintergrundwissen sollte vorhanden sein um nicht mit Fragezeichen über dem Kopf in die Röhre (oder den LCD/Plasma) zu gucken.

'Der Zauberzopf' ist inhaltlich wie inszenatorisch eine riesige Gurke und ziemlicher Langweiler, nur was für Kompletisten oder knallharte Kommunisten.

2 von 10 Glückskekse

1 Kommentar 25.6.11 17:19, kommentieren