Erste Schritte nach Taiwan

Während ich die ersten acht Tage meiner Reise in Shanghai verbracht hatte, begab ich mich auf eine kleine Reise durch China, mein Ziel: Taiwan! Nach 3-tägiger Reise (Donnerstagabend bis Sonntagabend), wenig Essen und noch weniger Schlaf, hatte ich es endlich geschafft: ohne ein Flugzeug zu benutzen reiste ich von Shanghai nach Tainan (Taiwan)!!!


Wartehalle im Bahnhof in Shanghai - Start meiner Reise.

Natürlich verlief die Fahrt nicht ohne Hindernisse: im Zug hatte ich einen Platz in der niedrigsten Klasse (knapp 600km in 11 Stunden, mit 120 Personen und einem Warmwasserboiler (in einem Abteil) für 95 RMB (ca. 10 Euro)), mein Zwischenstop Wenzhou entpuppte sich als  verstaubtes Kommunistenkaff: trotz fast 5 Millionen Einwohner, hielt es mich dort nur ganze 3 Stunden +/- (von 4:57 bis 7:59) - ein Traum aus Grau und Ocker. Aufdringliche Koffeträger und andere Dienstleistungsgewerbetreibende hatten es mehr als ein Mal auf mein Gepäck abgesehen, ein betrügerischer Taxifahrer wollte den 5-fachen Fahrpreis aus mir herauspressen, die Vielzahl an einschlägigen Nachtclubs und anderen zwielichtigen Etablissements (KTV-Bars, Massagesalons) in Fuzhou und der Mangel an Restaurants (außer KFC, MacD. & Pizza Hut) zwangen mich zu einem Instantnudel-Abendessen im Hotel und am Hafen in Fuzhou wurde mir unwissenderweise ein Hin- und Rückfahrt-Ticket verkauft. Zudem sei noch bemerkt, dass in Fuzhou Ausländer nicht in jedem Hotel willkommen sind...


Der Hafen von Fuzhou (Mawei).


Mao winkt in Fuzhou - gen Einkaufzentrum.

Trotzdem war es wirklich ein Erlebnis!!!!! Erstaunlicherweise hatte alles sehr gut geklappt und ich habe immer guten Anschluss gefunden, obwohl ich nichts im Vorfeld gebucht hatte und ich erst vor Ort genau wussten wann und wie ich weiterreisen konnte.

Vielleicht noch ein oder zwei Worte zur Überlandbusfahrt in China: die Busse weisen eine erstaunliche Modernität auf und schienen mir auch sonst in einem sehr guten Zustand (was man nicht von allen chinesischen Verkehrsmitteln behaupten kann). Trotzdem sah man dem Bus im Inneren durchaus an, dass der Zahn der jüngeren Vergangenheit (und vielleicht auch der des ein oder anderen Passagiers) an ihm genagt hat. Freundlicherweise bekam jeder Gast ein gefülltes Brötchen (kein Baozi, sondern etwas 'Westliches') und eine kleine Flasche Wasser, außerdem gab es eine kurze Pause an einer Raststätte. Da die Autobahnen gebührenpflichtig sind, gab es sehr wenig Verkehr und die Reise verlief relativ zügig. Die Maut war wohl auch einer der Gründe, warum die Passagiere, deren Ziel eine nicht weiter bekannten Stadt auf halber Strecke war, einfach an der Mautstation vor selbiger Stadt rausgeschmissen und ihrem Schicksal überlassen wurden. In Fuzhou traf mich dieses Schicksal aber erfreulicherweise nicht. Das Ticket war mit 144 RMB (ca. 15 Euro) relativ teuer, zahlt man doch selbst in Taiwan nur einen Bruchteil, wenn man die Entfernungen hochrechnet - außerdem gibt es in Taiwan die besseren Busse!

Auf Matsu (Taiwan) wurde ich sehr freundlich empfangen. Ein Mann von der Einwanderungsbehörde hat mich sogar zum Flughafen gefahren, weil es doch bequemer, schneller und nicht teurer sei mit dem Flugzeug zum taiwanesichen Festland zu reisen. Leider waren alle Plätze schon belegt und ich musste in einem kleinen Hotel übernachten (die Insel hat nur knapp 3.000 Einwohner). Das Hotel hatte keine Rezeption, es bestand quasi nur aus einem Wohnhaus mit mehreren Ein-Zimmer-Appartements. Das Zimmer war aber ganz nett, sauber und hatte einen großen LCD-Fernseher. Außerdem ließ es sich per Lichtschalter in ein zwielichtiges Neon-Blau tauchen (sehr 80er-Jahre-B-Movie-Like). Die Suche nach einem Imbiss oder Restaurant verlief leider ergebnislos, da nach einem heftigen Regenguss sämtliche Läden ihre Pforten geschlossen hatten. Der Weg zu einem 7-11 (24-Stunden-Supermarkt), den ich vom Schiff aus gesehen hatte, wurde von einer Polizeistreife und einem Mann von der Küstenwache mit einer gewaltigen Schrotflinte versperrt. Also blieb mir nicht anderes übrig als an einem Obststand vor der örtlichen Post (der hatte immerhin geöffnet) einige Früchte zu kaufen - mein Abendessen. 


Das zwielichtige Blau meines Zimmers...

Am anderen Morgen nahm ich um 9:30 die Fähre zum Festland. Zum Glück bekam ich eine Schlafkoje, denn von den 9 Stunden Überfahrt sah man 8 Stunden nur die weite See - auch für alte Seebären ein bischen zu wenig abwechslung, zumal die Wellen einen hervorragend in den Schlaf (den ich auch dringend nötig hatte) wiegen. Nach einem Zwischenstopp erreichte ich dann auch Keelung (Taiwan) erreichte. Wie sich die Insel in der Abenddämmerung im leichten Nebel aufbaut, wenn sich das Schiff nähert ist schon sehr beeindruckend.

 
Auf Wiedersehen Matsu!!


Baywatch auf Taiwanesisch (Zwischenstopp)...


Meine Koje.


Nicht Hollywood - Nein - Keelung!

Mit der Regionalbahn und der Schnellbahn bin ich dann noch am selben Abend nach Tainan gereist, wo mich Li-Yen am Bahnhof abgeholt hat. Am Sonntagabend um 1 Uhr war dann meine Reise vorerst beendet. Allerdings gibt es in Tainan und Shinshih am Bahnhof keine Aufzüge und Rolltreppen - AAAAAAAAAAAAAAHHHHH!!!!!!!!!!!!!!!
Es ist unglaublich, dass ich trotz gut 50kg Gepäck (ich hab mir in China neben einigen DVDs auch 2 riesige Wörterbücher gekauft (eines davon kostet in Deutschland 75 Euro, in China nur 15 Euro)) und einem sehr chaotischen Reiseverlauf (mit nur einem Rucksack ist die Reise sicher angenehmer) alle Dinge relativ unbeschadet (an einigen Geschenken war das Geschenkpapier ein bischen eingerissen und meine auf dem Nachtmarkt gekauften Kopfhörer (1 Euro) sind hinüber.


Mein Gepäck: das...


...und das!

Tainan ist ganz schön, es ist eigentlich fast wie in China nur mit weniger Chaos (vor allem was den Verkehr angeht - in China ist man als Fußgänger ja doch irgendwie Freiwild - auch auf dem Gehweg!!!) und Müll, allerdings findet man nur sehr selten Gehwege...


Keine Gehwege!!! Dafür umso mehr Motorroller.

Die Taiwaner scheinen alle sehr gerne zu schlafen, denn die meisten Geschäft machen erst um 11 Uhr auf!!!! Auch der Markt beginnt erst um 7:30 Uhr oder später. Ganz anders in China wo schon vor 6 Uhr geschäftiges Treiben herrscht und man denk, wenn man erst um 9 Uhr aufsteht habe man etwas verpasst.
Auch ist der Taiwaner an sich sehr klein (an Körpergröße) - sofern man einigen architektonischen Normen glauben kann - selbst ich mit meinen nicht gerade riesigen 1,80m (manche Leute sagen etwas weniger) muss doch das ein oder andere Mal aufpassen um mir nicht an niedrigen Türrahmen, Blumenkörben, Unterführungen, Gepäckgitter oder Ähnlichem den Kopf zu stoßen.


Auch in Taiwan gilt: 'Verbrechen lohnt sich nicht!'

Die Busverbindungen sind in Tainan (trotz knapp 1 Million Einwohner (sagt Wikipedia) und dem Slogan 'Tainan Easy Bus - Let's Go') sehr schlecht (alle 30 Minuten ein Bus jeder Linie), als U-Bahn-verwöhnter Shanghai-Besucher ist das schon eine große Umstellung!


Weihnachten und Halloween: für viele das Gleiche, meistens aber zeitlich getrennt.

Dennoch habe ich es geschafft zwei Mal an die Küste zu fahren und etwas spezieren zu gehen. Leider war es nie ein Touristenstrand sondern entweder ein felsiger Küstenstreifen oder ein Yachthafen, dennoch war es ganz schön. Immerhin hat das Meer hier in Taiwan eine etwas natürlichere Farbe als in China. Zwar gibt es teilweise auch recht viel Müll und Strandgut, aber immerhin schimmert es blau-grün, während das Meer der chinesischen Küste mal braun, mal grau ist - jenachdem wo man sich befindet.


Das Meer!!!!!


Anping (Taiwan): die Karibik lässt grüßen!!


Fehlt nur noch der weiße Sandstrand...

Demnächst gibt's mehr von mir aus Taiwan!!! Auch einen ausführlichen Bericht zum Essen. Also wieder reinschauen!!!

5.8.09 10:01

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