Originaltitel: 박쥐 (Bakjwi), wörtlich: Fledermaus' Format: 2,35:1 Regie: Park Chan-wook Abgesehen davon ist der Film schön gefilmt, hat stimmige Musik, wenige, aber gute Effekte und eine gute Ausstattung.
Herstellungsland/-jahr: Südkorea 2009 
Drehbuch: Park Chan-wook, Jeong Seo-gyeong
Darsteller: Song Kang-ho, Kim Ok-vin, Kim Hae-sook, Shin Ha-kyun, Park In-hwan
Preise: Asian Film Awards 2010: beste Visual Effects; Cannes 2009: Preis der Jury (nicht der Große Preis der Jury!) zusammen mit Fish Tank
Park Chan-wook dürfte der wohl international bekannteste Regisseur Südkoreas sein, gewann sein Meisterwerk Oldboy 2004 doch den Großen Preis der Jury in Cannes - und das verdientermaßen. Nach dem ebenfalls exzellenten Sympathy for Lady Vengeance folgte der nicht ganz so geniale I’m a Cyborg, but that’s ok. 2009 versucht Herr Park nun mit einem Vampirfilm für Erwachsene aus der Masse der immer präsenteren Teenie-Vampirfilme herauszustechen.
Außer Wundenlecken is nicht viel...
Der katholische Pater Sang-hyeon (Song Kang-ho) arbeitet in einem Krankenhaus, wo er den Sterbenden letzten Trost spendet. Weil er noch mehr Helfen möchte, reist er nach Afrika und wird dort Versuchsperson für ein Heilmittel gegen das Emmanuel-Virus. Das Präparat versagt und auch eine Bluttransfusion kann ihn nicht retten. Doch Sang-hyeon kehrt aus dem Reich der Toten zurück – als Vampir.
Er reist wieder nach Korea und nimmt die Arbeit in dem Krankenhaus wieder auf und avanciert unter den Patienten schnell zu einer Art Wunderheiler. Auch die Mutter (Kim Hae-sook) des an Krebs erkrankten Kang-woo (Sin Ha-gyoon) wird auf ihn Aufmerksam, kennt sie ihn doch noch aus seiner Kindheit. Wie durch ein Wunder genest Kang-woo und Sang-hyeon darf bei der Familie ein und aus gehen. Dort wird er auch auf Tae-joo (Kim Ok-bin) aufmerksam, die seit frühester Kindheit bei Kang-woos Mutter lebt und schließlich Kang-woos Ehefrau wurde. Sang-hyeon, seit einiger Zeit von ungeheurem sexuellen Verlangen geplagt und verfällt der Jungen Frau, die ihn dazu anstiftet ihren Ehemann zu beseitigen...
Kim Ok-bin beherrscht den irren Blick
Durst ist eine nette Abwechslung zum Teeny-Vampir-Einheitsbrei, der uns in den letzten Jahren im Kino immer häufiger begegnet ist. Ganz klar an ein erwachsenes Publikum gerichtet ist der Film dann auch mehr Drama als Horror, mehr Psychogramm als Grusel, entsprechend selten sind dann auch die Gewaltausbrüche. Wenn es ans Beißen und Töten geht, dann ist das recht hart und blutig inszeniert, ohne aber in Splattergefilde abzudriften. Der eigentliche Horror spielt sich in den Beziehungen der Protagonisten ab, die fast alle einen großen psychischen Schaden haben und dringend eine Therapie benötigen. Da wäre der zunächst ganz umgängliche und pflichtbewusste Sang-hyeon, der auf seiner Jagd nach Blut niemandem schaden möchte, der aber gleichzeitig so egoistisch ist seine Kräfte nicht einmal mit seinem todkranken Mentor zu teilen und dessen fast unkontrollierter Sexualtrieb ihn in eine selbstzerrstörerische Beziehung mit Tae-joo treibt. Die wiederum wurde in frühester Kindheit von Kang-woos Mutter aufgenommen und ist mit ihr, wie mit ihrem Stiefbruder/Ehemann in Hassliebe verbunden. Diese Dreierbeziehung wird durch allerhand Details ausgeschmückt, die den Ruf nach einem Psychiater laut werden lassen. All das ist zwar interessant zu verfolgen und erstklassig gespielt, jedoch fehlt dem Film, im Gegensatz zu Parks anderen Filmen, eine Identifikationsfigur, die den Zuschauer mitfühlen lässt, die Figuren lassen einen gewissermaßen kalt.
Stattdessen erwartet den Zuschauer reichlich Groteskes (u.a. eine sehr absurde Sexszene, die es so im Kino noch nie gab) und eine gute Portion Kritik an der katholischen Kirche.
Park versteht es exzellent mal unterschwellig, mal plakativ, Symbole und Metaphern einzusetzen, an allen Ecken gibt es Verweise und Fingerzeige. Besonders das Motiv des Durstes (hier ist der englische und deutsche Titel passender als der koreanische) ist allgegenwärtig, sei es der Durst nach Zuneigung, Sex oder Blut.
Mutter wird's schon richten - oder?
Leider weist das Drehbuch einige Schwächen, die den Film weniger rund erscheinen lassen als Parks vorangegangene Werke. So wird etwa die Episode mit dem Mord an Tae-joos Ehemann und die damit verbundene Paranoia anfangs sehr ausführlich behandelt, spielt dann aber nach einer gewissen Zeit überhaupt keine Rolle mehr und verläuft im Sande. Gegen Ende gibt es eine kurze Sexszene zwischen Tae-joo und einem Freund der Familie, die weder eingeleitet noch irgendwie erklärt wird. Im Director’s Cut wird in diesem Fall zwar Abhilfe geschafft, dennoch wäre ein etwas sorgfältigerer Schnitt der Kinofassung wünschenswert gewesen.
Der Film beantwortet einige seiner Fragen trotz üppiger Länge von mehr als 130 Minuten (Kinofassung) nur unbefriedigend, bzw. gar nicht und ist trotzdem gute 20 Minuten zu lang, da einige Szenen, gerade am Anfang, doch sehr nach Füllmaterial aussehen und den Film teilweise ausbremsen. Spannung kommt selten auf und die Polizei in Korea scheinen blutleere Menschen und gestohlene Blutkonserven wenig zu interessieren.
Sang-hyeon hat seine Durst in zweierlei Hinsicht gestillt
Durst ist über weite Strecken unterhaltsam und stimmig, fällt aber auf Grund seiner Drehbuchlücken und der Distanz zu seinen Figuren hinter Parks vorangegangene Werke (mit Ausnahme von I’m a Cyborg but that's ok) zurück.
Die Blu Ray: MFA+ / Ascot Elite (Deutschland)
Bildqualität: gut
2,35:1, anamorph; gute Schärfe, keine Defekte, in dunklen Szenen leichter Detailverlust.
Tonqualität: gut
DTS-HD 5.1 (Deutsch, Koreanisch): stimmige Soundkulisse, wenige aber gute Effekte, Stimmen teils zu leise abgemischt
Extras: solala
Das Feature mit Park Chan-wook beim Fantasy Filmfest in Berlin (35 Minute, SD) ist ganz interessant, allerdings übersetzt eine Dolmetscherin, wodurch das Feature recht langatmig ist. Dazu gibt es Ausschnitte von einer Autogrammstunde, 2 deutsche Trailer und eine Trailershow (alles SD)
Untertitel: Deutsch
Qualität der Untertitel: gut
Keine Dubtitles, gutes Timing. Leider sind die Untertitel bei der koreanischen Tonspur nicht ausblendbar
Qualität der Synchro: gut
Passende Sprecher, genügend Emotionen.
FSK: ab 16
Altersempfehlung: ab 16
Besonderheiten:
In Korea erschien ein mehr als 10 Minuten längerer Director's Cut des Filmes, auf den und dessen Extras wir leider verzichten müssen.
Letzte Einträge: Frankfurter Schlachtplatte: Marcus Nispels 'Conan', Revolución! Revolución! - Jackie Chans und Li Zhangs '1911'
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