Der Stab der Rache: Lau Kar-Leungs '8 Diagramm Pole Fighter'

Originaltitel:  五郎八卦棍 (Wu lang ba gua gun)
Herstellungsland/-jahr: Hongkong 1983


Format: 2,35:1

Regie: Lau Kar-Leung
Drehbuch: I Kuang, Lau Kar-Leung
Darsteller: Gordon Liu Chia-Hui, Alexander Fu Sheng, Lily Li Li-Li, Kara Hui Ying-Hung, Ying Cheung-Cheung, Wang Lung-Wei, Lau Kar-Wing, Phillip Ko
Preise: -

Im Jahr 1983 war der Stern der Shaw Brothers Studios schon am Verglühen. Das Genre der Kung-Fu-Komödien und sein größter Star Jackie Chan waren fest in der Hand des Konkurrenzstudios Golden Harvest. Klassische, blutige Wuxia- und Martial-Arts-Filme waren kaum noch gefragt und nur Lau Kar-Leung (Liu Chia-Liang) gelang hier und da noch ein Hit für das Studio. Die Vorzeichen für Eight Diagram Pole Fighter standen denkbar schlecht und als während einer Drehpause Alexander Fu Sheng auch noch bei einem Autounfall ums Leben kam schien das Projekt am Ende. Doch Regisseur Lau Kar-Leung schrieb das Drehbuch um, machte Gordon Liu zum Hauptdarsteller und konnte den Film letzten Endes doch noch in die Kinos bringen. So etwas tut einem Film nur selten gut und so krankt Eight Diagram Pole Fighter vor allem an einem: seiner Story.

Song-Dynastie: Die Familie Yang ist eine beim Kaiserhof hoch angesehene Familie, die schon viele große Feldherren hervorgebracht hat. Auch Yang Ye und seine sieben Söhne stehen im Dienste der Kaisers und werden nach Jingsha beordert um dort gegen die Tartaren zu kämpfen. Dort geraten sie in einen Hinterhalt des intriganten Pan Mei (Lin Ke-Ming), der sich mit den Invasoren verbündet hat um seinen Sohn, der im Kampf mit einem der Yangs getötet wurde, zu rächen. Nur der 4. (Hou Hsiao), 5. (Gordon Liu) und 6. Sohn (Alexander Fu Sheng) der Yangs können entkommen. Während sich der 6. Sohn trotz schwerer Geisteskrankheit nach Hause retten kann, kommt der 5. Sohn in einem Kloster unter und möchte ein Mönch werden, doch durch sein aufbrausendes Wesen wird ihm diese Bitte verwehrt. Auch Pan Mei erfährt von den Überlebenden und ersinnt einen Plan die Familie Yang endgültig auszulöschen.

 

Der fast surreal anmutende Beginn – die Weissagung der Mutter Yang und die Schlacht bei Jingsha – machen den Einstieg nicht leicht. Die Dialoge sind gestelzt und die Kulissen minimalistisch. Auch die Choreographie der Schlacht kann nicht so recht überzeugen, sie wirkt, trotz teils recht blutiger Details, sehr theatralisch. Danach wird es aber besser: die Kulissen sind prächtiger, die Kampfszenen besser und die Dialoge griffiger.



Dennoch verfällt der Film über weite Teile in ein doch sehr behäbiges Tempo, wodurch das nach Alexander Fu Shengs Tod behelfsmäßig ausgebesserte Drehbuch besonders negativ auffällt: Hou Hsiaos Rolle, der 4. Bruder, der nach seiner Flucht gefangen genommen wird, fällt ganz weg. Alexander Fu Sheng als geisteskranker 6. Bruder taucht sporadisch auf, trägt aber kaum etwas zur eigentlichen Geschichte bei und spielt nach zwei Dritteln auch keinerlei Rolle mehr. Nicht einmal in einem Dialog wird das Schicksal der anderen beiden überlebenden Brüder zu einem einigermaßen befriedigenden Ende gebracht.



Die Hauptgeschichte konzentriert sich ganz auf Gordon Liu und seine Flucht ins Kloster, sowie die Rache an den Mördern seiner Angehörigen. Die Parallelen zu Lau Kar-Leungs 1978 erschienenem und auch mit Gordon Liu besetzten Die 36 Kammern der Shaolin sind nicht zu übersehen, obwohl die Szenen im Kloster zu keinem Zeitpunkt dessen Klasse erreichen. Abgesehen davon, wird die Episode im Kloster relativ schnell abgehandelt, ganze Zeitabschnitte werden dabei übersprungen und immer wieder durch Szenen im Hause der Familie Yang unterbrochen, was dem Film einen leicht unfertigen Charakter verleiht.


Das letzte Drittel ist fast ausnahmslos den Kampfszenen gewidmet und genau dort trumpft der Film auf und bietet das, worauf alle gewartet haben. Waren die Eröffnungsschlacht durch die Kulissen und die übertriebene Theatralik wenig fesselnd und der Kampf mit den Tartaren bei der Höhle des Jägers nicht wirklich gut choreographiert, so sind die Kampfszenen am Ende mit das Beste, was bei den Shaw Brothers inszeniert wurde. Spektakulär, abwechslungsreich und ziemlich blutig.



Darstellerisch ist der ganze Film auf solidem Niveau. Gordon Liu spielt im Prinzip seine Rolle aus Die 36 Kammern der Shaolin, die er nur in Nuancen variiert. Alexander Fu Sheng ist mit viel Leidenschaft bei der Sache, obwohl sein geisteskranker Charakter bereits nach dem zweiten Auftritt zu nerven beginnt. Der intrigante Lin Ke-Ming ist ein solider Bösewicht, während Wang Lung-Wei mal wieder seinen hässlichen, unpassenden Schnauzbart durch die Kulissen trägt. Die Damen sind mit Kara Hui und Yeung Ching-Ching als die jüngsten Töchter der Familie Yang, sowie Lily Li Li-Li als deren Mutter (obwohl sie gerade einmal 10 Jahre älter als Kara Hui ist) gut besetzt und gerade Kara Hui darf am Ende auch ordentlich austeilen. Außerdem gibt es kurze Auftritte von Schundfilmer Phillip Ko als Abt und Lau Kar-Wing als erstem Sohn der Yangs.

 

Eight Diagram Pole Fighter gilt bei Fans als einer der besten Filme der Shaw Brothers. Der Film leidet aber stark am Tod seines eigentlichen Hauptdarstellers: die Geschichte wirkt unausgegoren, das Tempo ist in der ersten Hälfte sehr behäbig und einige stilistische Ungereimtheiten sorgen für Unmut, während die zweite Hälfte durch viele sehr gute Actionszenen mehr als überzeugen kann und für sich gesehen ein kleines Meisterwerk des Kampfkunstfilms darstellt.

7 von 10 Glückskekse


Die DVD:
 Deltamac (Taiwan)


Bildqualität:
gut
2,35:1, anamorph; größtenteils gute Schärfe, manchmal aber auch ein sehr weiches Bild mit wenigen Details. Kaum Defekte.


Tonqualität:
okay
Dolby Digital 5.1 (Kantonesisch, Mandarin): der übliche Celestial-Upmix hat außer einiger neuer Effekte nicht viel Raumklang zu bieten, dafür ist er aber klar und ohne Defekte.


Extras:
solala

Standartware: knappe Produktionsnotizen und Biographien (Chin./Engl.), Bildergalerien (Behind the Scenes und Movie Stills), das Poster und eine Trailershow

Untertitel:
Englisch, traditionelles Chinesisch
Qualität der Untertitel: solala
Teilweise seltsame Übersetzungen, Auslassungen und viel zu kurze Einblendungen, teilweise im Bereich unter 1/2 Sekunde.


FSK:
 nie in Deutschland erschienen

Altersempfehlung: ab 16

Besonderheiten:
Die DVD aus Taiwan ist mit der DVD aus Hongkong identisch, bietet aber keinen Schuber.

11.7.11 09:56

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