Die letzte Reise der Shaw Brothers: Cha Chuen-Yees 'Journey of the Doomed

 
Das Poster erinnert eher an einen italienischen Barbarenfilm als an ein Märchen der Shaw Brothers


 

Mitte der 1980er Jahre war der Stern der Shaw Brothers schon fasst verglimmt und lediglich mit dem TV-Geschäft ließ sich noch Geld machen. Der Output an Kinoproduktionen war in jenen Tagen dann auch eher mäßig – an Quantität ebenso wie an Qualität. Klamauk, Gewalt und softer Sex waren die Devise, so enthält ‚Journey of the Doomed’ viele Zutaten – einige mit leicht überschrittenem Verfallsdatum.

Die Naturfreunde Wernigerode bei ihrer Jahreshauptversammlung im Wald


Shui-er (Fu Yinyu) hat ihr Leben in einem Bordell verbracht: die Mutter, eine Prostituierte, starb früh und so wurde sie von Puffmutter Dajie liebevoll aufgezogen. Doch Dajie hütet ein Geheimnis: Shui-er ist die Tochter des kaiserlichen Kronprinzen. Dajie schmiedet einen Plan diese Information an den jüngeren Bruder (Tony Leung Kar-fei) des Kronprinzen zu verkaufen, der auch bereit ist eine ordentliche Summe dafür zu bezahlen. Der böse Bruder bekommt allerdings Wind von der Sache und schickt seine Häscher (u.a. Kara Hui und Alex Man) los die nichts ahnende Shui-er zu meucheln, während der andere Bruder wiederum seine Mannen (u.a. Max Mok) – und eine Frau (Candice Yu) – entsendet, das Mädchen zu retten. Shui-er kann entkommen und findet Hilfe bei einem Mann (Stephen Tung Wai), in den sie sich langsam zu verlieben beginnt.

Margaret Lee Din Long und Kara Hui sind mit ihren Second-Hand-Kostümen ziemlich unzufrieden 


‚Journey of the Doomed’ will viel sein und so packt Regiedebutant Cha Chuen-Yeen in knapp über 90 Minuten reichlich Handlung, Figuren, Emotionen und Stimmungen. Der Film beginnt auch recht viel versprechend mit schönen Sets, einem Schuss Sexploitation, Intrigen und einer recht blutigen Actionszene in einem Bordell.

Doch sobald die Reise der Verdammten beginnt, beginnen auch die Schwächen von Skript, Budget und Darstellern immer deutlicher hervorzustechen.


Kara Hui besorgt sich auf unkonventionelle Weise ein neues Kostüm
 

 


Die Handlung schreitet von nun an unmotiviert voran, wechselt unentschlossen zwischen verschiedenen Genres. Manchmal ist sie Komödie, dann wieder Actionfilm und gegen Ende dann Liebesdrama inklusive schmalzigem Softpopduett und einem richtigen Ehekrach in der Küche. Gerade diese recht lange Dramaepisode bremst den Film vollkommen aus und strotzt nur so vor Klischees. Zudem sind die Charaktere einfach zu plump und eindimensional, als dass dieser Teil emotional fesseln kann.

  
Stephen Tung Wai und Fu Yinyu sitzen ganz schön im Regen


Fu Yinyu als Shui-er nervt schon nach ihrem zweiten Hilferuf dermaßen, dass man ihr doch einen schnellen Leinwandtod und zumindest den Verlust ihrer Stimme wünscht. Stephen Tung Wai als Retter in der Not kann ebenfalls nur bedingt überzeugen, da er nur über zwei Gesichtsausdrücke, genervt und gereizt, verfügt. Der restliche Cast ist kaum der Rede wert, lediglich Candice Yu als unglücklich verliebte Kriegerin hat gewisse Anflüge von schauspielerischem Talent. Alex Man als Oberschurke verliert sich im Overacting, Max Mok bleibt, wie den meisten seiner Shaw-Filme, blass, Regina Kent als stummes Mädchen nervt auch ohne Stimme und Tony Leung reißt sich mit seinem 2-Minuten-Auftritt auch kein Bein heraus.

Ein Muttermal in Form eines Schmetterlings sieht definitiv anders aus


Stimmt denn wenigstens die Action? Auch nur bedingt. Das Massaker im Bordell gefällt, da es doch einige Härten aufweist, die übrigen Kampfszenen sind – mit Ausnahme des Finales – ok, jedoch keinesfalls weltbewegend. Budgetbedingt gibt es keine namenlosen Krieger, die dutzendweise gemeuchelt werden können, so bekämpfen sich die drei Parteien, à zweimal drei bzw. einmal einem Kämpfer, gegenseitig. Diese Gefechte sind dann auch relativ blutarm. Halten diese Szenen noch einigermaßen bei Laune, enttäuscht das Finale. In einem verlassenen Dorf bekriegen sich die übrigen Kämpfer fast endlos andauernde 15 Minuten gegenseitig. Viel Pyrotechnik kommt zum Einsatz, Spannung und ausgefeilte Choreographie dagegen weniger. Ein ums andere Mal sehnt man den Abspann herbei, da das bodycountlose Rumgehampel nach einer Weile gehörig auf den Zeiger geht.

Stimmt am Anfang noch die Atmosphäre, merkt man mit zunehmender Laufzeit das abnehmende Budget. Der Großteil der Handlung spielt sich in verlassenen Wäldern und Wiesen ab, die teilweise zwar recht stimmig sind und sich wohltuend von den sich immer wieder wiederholenden Landschaften der meistern anderen Shaw-Brothers-Filme absetzen, aber die meiste Zeit über doch recht billig wirken.

Sind die Kostüme anfangs noch recht opulent, weichen sie belanglosen Leder-Pelz-Kombinationen aus dem Fundus einer italienischen Barbarenbilligproduktion.


Wenn das Geld knapp ist, tun's statt einer Kulisse und aufwendigen Haarteilen gerne auch eine schwarze Tischdecke im Hintergrund und ein Wischmop auf der Glatze

 


‚Journey of the Doomed’ sorgt für gehöriges Stirnrunzeln. Ist die erste halbe Stunde noch ganz ansehnlich wird der Film mit zunehmender Laufzeit zu einem wilden Genremix, der selbst für Trashfans dank der lahmen und konfusen Handlung nur bedingt zu empfehlen ist. Das Finale ist in seiner ausufernden Länge und ziellosen Choreographie antiklimatisch und ein Sinnbild dafür, dass die großen Tage der Shaws 1985 definitiv vorbei waren.


 

3 von 10 Glückskekse

4.9.11 17:41

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