Wein, Weib und Blut: Im Sang-Soos 'The Housemaid'

 

 

Das neuere koreanische ist neben seiner Genreambivalenz vor allem für seinen Hang zur Überlänge bekannt. Selbst Thriller und Actionfilme haben nicht selten eine Laufzeit von mehr als 2 Stunden. Auch Im Sang-Soos (‚A good Lawyer’s Wife&rsquo Film – ein Remake des gleichnamigen koreanischen Filmes (Regie: Kim Ki-Young) aus dem Jahre 1960 – wechselt freigiebig zwischen Drama, Thriller und Satire, ist mit einer Laufzeit von knapp über 100 Minuten aber relativ kurz. Ob der Spagat zwischen den Genres passt und ob die zahlreichen Preise und Nominierungen (u.a. für die Goldene Palme in Cannes) gerechtfertigt sind, könnt ihr im Folgenden nachlesen.



Die junge Eun-Yi (Jeon Do-Yeon, ‚Secret Sunshine’ ) tritt eine Stelle als Hausmädchen bei der Familie des reichen Geschäftsmanns Hoon-Goh (Lee Jung-Jae, ‚Typhoon’ ) an. Von seiner hochschwangeren Frau Hae-Ra (Seo Woo) sexuell unbefriedigt beginnt er eine Affäre mit seiner neuen Angestellten – unter den Augen der alteingesessenen Hausdame Byung-Sik (Yoon Yeo-Jong). Eun-Yi wird schwanger und die Affäre kommt ans Licht. Als sie sich weigert das uneheliche Kind abzutreiben gerät sie in die Schusslinie der betrogenen Gattin und ihrer intriganten Mutter (Park Ji-Young).

 

Der Film vereint verschiedene Genres und Stile: erotisches Drama, spannender Thriller, am bitterböse Satire, im Prolog wackelnde Handkamera und durch Unschärfen verfremdete Bilder, später ruhige, fast statische Fotographie. Im Sang-Soo versteht es perfekt all das zu einem ungemein stimmigen Ganzen zu komponieren, das alles untermalt von unaufdringlicher, sanfter Musik.

In der ruhig erzählten Geschichte bauen sich langsam und unterschwellige Gefahr und Spannung auf, ehe das überraschende Ende und der grotesk überzeichnete Epilog folgen.

Das alles wird ohne allzu viele Schnörkel und Nebenhandlungen erzählt. Im konzentriert sich fast vollkommen auf den Mikrokosmos der Familie und ihrer Angestellten und den daraus resultierenden Konflikten. Dabei sind Blut und Wein sind die zentralen Symbole des Filmes: am Anfang fließt Blut, am Ende auch, dazwischen viel Wein.

Zudem gibt es beißende Kritik am Verhalten neureicher Familien und deren Trugschluss sich mit Geld und Macht alles kaufen zu können. Hoon-Goh und seine Familie gibt sich kühl, distanziert, echte Emotionen gibt es kaum. Jede Bewegung, jede Interaktion wirkt gekünstelt, gestellt, dennoch ist nach außen hin alles herzlich, warm, liebevoll, schlicht perfekt.

Am Ende bricht diese ganze Fassade zusammen und gipfelt in einem grotesk harmonischen Epilog.

 

Dazwischen gibt es kühle, überstilisierte Erotik, die sich vollkommen in den Dienst des Filmes stellt und dabei die einzelnen Figuren maßgeblich charakterisiert. So ist Hae-Ra alles andere als begeistert ihrem Mann sexuell befriedigen zu müssen, Hoon-Goh ist zwar dominant, lässt sich aber lieber bedienen als sonderlich aktiv am Akt teilzuhaben, während Eun-Yi die unerfahrene Naive gibt.

Einziger Kritikpunkt hier ist, dass Im die Beziehung zwischen Eun-Yi und ihrem Arbeitgeber noch etwas besser ausarbeiten hätte können, zu wenig Zeit verstreicht von der ersten Begegnung bis zum ersten intimen Kontakt, zu wenig Worte werden gewechselt, zu schnell bricht die Affäre ab.

 

Das ist nicht allzu schlimm, gibt es doch eine ganze Reihe großartiger Schauspieler zu bewundern, allen voran Jeon Do-Yeon, die Eun-Yi mit einer gewissen erotischen Ausstrahlung aber auch mit kindlicher Naivität und Unsicherheit darstellt.

Lee Jung-Jae spielt den arroganten, machtbesessenen Hausherren hart an der Grenze zur Karikatur, überschreitet diese schmale Linie aber niemals. Mit jedem seiner Auftritte strahlt er so viel Antipathie aus, dass es eine Freude ist ihm dabei zuzusehen, wobei er, sobald er ein Glas Wein in die Hand nimmt, zweifelsohne seine Höhepunkte hat (einmal sogar im wahrsten Sinne des Wortes).

Besondere Erwähnung verdient Yoon Yeo-Jong, die für ihre Rolle als alte Hausdame den Asian Film Award als beste Nebendarstellerin verdient gewonnen hat. Kühl kalkulierend, zwielichtig und niemals durchschaubar ist sie den ganzen Film über ein einziges Mysterium.

Daneben glänzen noch Seo Woo als verwöhnte Ehefrau und Park Ji-Young als deren intrigante Mutter. Beide haben wunderbare gemeinsame Szenen und sind herrliche intrigante – Verzeihung – Miststücke.

 

‚The Housemaid’ ist ein ruhiges, dennoch spannendes Thrillerdrama, das seine Zuschauer in erlesenen Bildern in die Abgründe des häuslichen Lebens führt. Eine groteske Parabel über Macht und Unterwürfigkeit. Getragen von großartigen Darstellern ist der Film ein kleines Meisterwerk.


9 von 10 Glückskekse

13.12.11 15:42

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