Frankfurter Schlachtplatte: Marcus Nispels 'Conan'



1982 machte John Milius den damals noch weitgehend unbekannten Arnold Schwarzenegger zum Star und schuf mit ‚Conan – Der Barbar’, nach Rober E. Howards Kurzgeschichten, einen noch immer äußerst populären (Low-) Fantasy-Film, der eine wahre Welle meist minderwertiger Nachahmprodukte nach sich zog. Schnell abgedreht und mimisch blass besetzt wollte man – auch in Europa – auf den profitablen Zug aufspringen. Warum also nicht das Subgenre des Barbaren-Films nicht auch in diesem Jahrtausend wieder beleben? Mit weniger fantastischen Elementen als in ‚Der Herr der Ringe’, aber umso mehr Blut machte sich der in Frankfurt am Main geborene und auf Remakes quasi spezialisierte Marcus Nispel daran die Figur des Conan einem jüngeren Publikum näher zu bringen.

 

Conan (Jason Mamoa) erblickt auf dem Schlachtfeld das Licht der Welt und überlebt im Kindesalter als einziger ein Massaker der Kriegsfürsten Kahlar Zym (Stephen Lang). Getrieben von Rache macht er sich auf die Suche nach dem Tyrannen, der seinen Vater (Ron Perlman) tötete und dessen Schwert an sich nahm. Zym ist derweil auf der Suche nach der Reinblütigen (Rachel Nichols), da nur ihr Blut eine geheimnisvolle Maske mit Leben erfüllen und ihn zum Gott machen kann, damit die ermordete Mutter seiner dämonischen Tochter (Rose McGowan) endlich von den Toten auferstehen kann.

 

‚Conan’ beginnt schon ganz schön spektakulär und für den ein oder anderen auch recht unappetitlich: Gezeigt wird ein ungeborenes Kind im Leid der Mutter, der urplötzlich von einem Schwert durchbohrt wird. Das Kind kommt zur Welt, die Mutter stirbt auf dem Schlachtfeld. Marcus Nispel mag es deftig und so geht es auch in ‚Conan’ teils doch recht derb zur Sache. War das Original schon blutig, so ist die Neuauflage teilweise wirklich brutal. Die Kampfszenen sind gut gemacht und in gewisser Weise recht klassisch gehalten. Schnelle unübersichtliche Schnitte oder extreme Nahaufnahmen gibt es selten. Leider enttäuschen gerade die letzten Kampfszenen gegen die Wasserschlage und das Finale, das mit gerade einmal zwei Filmtoten im Vergleich zum Vorangegangenen geradezu minimalistisch wirkt und insgesamt sehr zahm und relativ unspektakulär inszeniert wurde.

 

Ausstattung und Kostüme bewegen sich auf solidem Niveau, wobei einige modische Kreationen recht exzentrisch und die Sets vereinzelt recht preiswert wirken. Jedenfalls sieht der Film nicht nach den 90 Millionen Dollar aus, die er gekostet haben soll.

Lobenswert ist der Verzicht auf allzu viel CGI-Einsatz, was dem Film sichtlich gut tut. Die Locations sind gut gewählt und meistens recht stimmig.

Auch die Kamera ist ganz gut und liefert das ein oder andere schöne Bild ab.

Der Score ist unspektakulär aber solide.

 

Die Geschichte lehnt sich in den Grundzügen an die des Originals an, ohne jedoch Conans Suche nach dem Geheimnis des Stahls genauer zu thematisieren. Das Trauma Conans, dass dieser nach dem Verlust seines Vaters erlitten hat wird nur am Rande behandelt und so konzentriert sich die Story – nach dem Exposé über Conans Jugend -, ganz und gar auf dessen Suche nach dem Mörder seines Vaters. Dabei stellt sich der Barbar teilweise ziemlich doof an, ist doch gerade der größte aller Kriegsherren der Mörder und Conan will einfach noch nichts über ihn gehört haben. Selbst im Zeitalter der Barbaren, auch ohne Twitter und Facebook, müsste doch eigentlich dessen Ruf selbigem vorauseilen.

 

Wer große darstellerische Leistungen erwartet ist im falschen Genre. Sicher Jason Mamoa hat das Charisma eines Felsblocks und kann zu keiner Zeit mit Arnold Schwarzenegger mithalten, dennoch ist er Serien-Conan Ralf Möller deutlich überlegen und den ganzen Italo-Barbaren zumindest ebenbürtig. Viel zu sagen hat er eh nicht und rein vom körperlichen ist Herr Mamoa ein wahrer Vorzeigebarbar.

Was Nebendarsteller anbelangt so ist die Liste schnell abgehackt: Dauernebendarsteller Ron Perlman als Conans Vater ist ok, wirkt in seinem dicken Kostüm und mit flauschigem Bart eher wie ein Troll als wie ein Mensch. Gleiches gilt für Stephen Lang als Oberfiesling, der für einen bösen Kriegsfürst aber letzten Endes eine Prise zu lasch daherkommt. Rose McGowan als dessen Tochter nervt mit schlechtem Make-up und noch schlechterem Spiel, während Rachel Nichols als Conans Love Interest in knappen Kostümen und mit der obligatorischen Sexszene immerhin optisch punkten kann. Conans übrige Sidekicks haben gerade genug Screentime um nicht auf die Nerven zu gehen.

 

‚Conan’ ist im Kino gnadenlos gefloppt. Berechtigt? Durchaus. Aber ist er so schlecht, wie viele Kritiker ihn machen? Sicherlich nicht. Der Film ist eine einzige Trashorgie und sicher nichts für Hirn, Herz und Magen, aber dennoch über weite Strecken durchaus unterhaltsam. Zwar kann er zu keiner Zeit mit dem Original mithalten, all den anderen Barbaren-Kloppern ist er aber mindestens ebenbürtig. Und wann gab es denn das letzte Mal einen halbwegs aufwendigen Barbarenfilm zu sehen?
Wer zuviel erwartet wird enttäuscht, wer den Film als das nimmt, was er ist – belanglose Daueraction – wird bis zum schwachen Finale gut unterhalten, für das gibt es jedoch Abzüge.

5 von 10 Glückskekse

15.3.12 15:14

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