Olympisches Fegefeuer - Tsui Siu-Mings 'Champions'

Originaltitel: 夺标 (Duo Biao(Mandarin), wörtlich: 'Medaille'
Deutscher Titel: Champions - Fight for Glory
Herstellungsland/-jahr: Hongkong 2008

 

Format: 2,35:1

Regie: Tsui Siu-Ming
Drehbuch: Tsui Siu-Ming, Fong Sai-Keung
Darsteller: Dicky Cheung, Mui Tse, Priscilla Wong, Debbie Goh, Yu Rongguang
Preise: 1 Goldmedaille emotion


Sportfilme haben von vornherein ein Problem damit, ein breites Publikum zu erreichen. Entweder ist die Sportart zu exotisch, der Plot zu uninteressant oder die Sportszenen einfach zu schwach und unrealistisch umgesetzt. Gerade bei Leichtathletik kann man sich interessantere Themen auf der Leinwand vorstellen.
Deswegen hat Regisseur und Drehbuchautor Tsui Siu-Ming bei seinem Film über die ersten chinesischen Olympiateilnehmer statt auf langweilige Leichtathletikwettkämpfe eher auf spannende Martial-Arts-Duelle gesetzt. Ob diese Strategie aufgegangen ist?

Cheung Fung (Dicky Cheung) ist ein ehrgeiziger Kampfsportler und nebenbei auch noch in die attraktive Läuferin Ling (Priscilla Wong) verliebt. Seine Freude ist groß als er erfährt, dass der chinesische Sportbund erstmals eine Delegation von Sportlern zu den olympischen Spielen nach Berlin schicken möchte. Zudem soll eine Gruppe chinesischer Kampfsportler am Rahmenprogramm teilnehmen. Der Freude folgt Ernüchterung, denn die Finanzen des Sportverbandes reichen nicht aus um allen Sportlern die Reise nach Deutschland zu ermöglichen. Gemeinsam mit dem Direktor seiner Kampfschule (Yu Rongguang) und den anderen Sportlern beginnt er Geld zu sammeln und die Aktionen sind, trotz der schwierigen Lage Chinas, äußerst ertragreich. Leider haben Fung und Co. ihre Rechnung ohne eine rivalisierende Schule und einen skrupellosen Pfandleiher gemacht.

Dicky Cheung geht nie ohne Sonnenschild aus dem Haus!

Der Film beginnt ganz vielversprechend: die Ausstattung gefällt und geizt nicht mit geschäftigen Straßenzügen, stimmigen Innenräumen und zeitgenössischen Kostümen. Die Kameraarbeit ist gut und die Musik passend. Auch die ersten Kampfszenen sind nett in die zugegeben sehr naive und mit einigem Pathos angehauchte Handlung integriert.
Die Choreographie der Actionszenen ist solide, mit einigem Wirework inszeniert, erreicht aber nie die Klasse eines Ip Man oder Once upon a Time in China.

Priscilla Wong kann ganz süß lächeln - das war's dann aber auch schon fast...

Die Darsteller sind dann der erste große Knackpunkt des Filmes: Dicky Cheung und Priscilla Wong sind durchaus sympathisch, allerdings sind sie und die anderen Darsteller in emotionalen Szenen maßlos überfordert. Der einzig wirklich bekannte Darsteller Yu Rongguang spult seinen Meister solide ohne allzu große Akzente ab. Gelegentliches Overacting ist bei allen Darstellern präsent.

 

Dass ein guter Martial-Arts-Film keine großartigen Darsteller benötigt um zu fesseln ist bekannt, auch die Geschichte könnte man bei einer hohen Schlagzahl vernachlässigen, doch eben diese ist dann mit das größte Problem von Champions.
Ist der Anfang noch ganz interessant und vielversprechend entstehen mit zunehmender Laufzeit zunehmend Längen, die Kämpfe werden immer liebloser in die Handlung integriert und die eigentliche Olypiateilnahme verkommt immer mehr zur Nebensache. Auf die Probleme der chinesischen Bevölkerung jener Zeit wird kaum eingegangen, hatte sie damals doch Besseres zu tun, als ihr Geld einem Sportbund zu spenden. Auch die politischen Aspekte des Sports und einer Olympiateilnahme werden außen vor gelassen, stattdessen konzentriert sich der Film darauf die Botschaft 'Freundschaft vor Ehrgeiz und Eigensinn' auf mehr oder weniger subtile Weise an den Zuschauer zu bringen, um am Ende dann aber doch die ganz Ehrgeizigen zu loben.
Gerade das Ende macht den Film dann doch ziemlich madig: zunächst muss einer der Hauptcharaktere völlig unnötig das Zeitliche segnen, was einen schmalzigen und unpassenden Appell an die nach Deutschland abreisenden Sportler nach sich zieht, inklusive Urnenübergabe. Als sei das nicht genug erwartet den Zuschauer vor dem Abspann dann eine kurze, mit patriotischer Musik unterlegte Zusammenfassung der olympischen Geschichte der Volksrepublik China, die so schmalzig und propagandistisch geraten ist, dass man nur noch die Stirn runzeln kann. Diese letzten Minuten lassen den Film in einem völlig anderen Licht dastehen und zu einem unnötigen Propagandawerk verkommen. Aus Hongkong hätte man (noch) etwas anderes erwarten können.
Nebenbei sei noch erwähnt, dass, obwohl der Film zur chinesischen Republikzeit spielt, keine einzige Flagge der Republik China zu sehen ist.

Während Champions eigentlich ein netter, handwerklich solider, kleiner Actionfilm hätte sein könnte, verdreht ihn sein hyperpatriotischer Schluss zu einem plumpen Propagandawerk, dessen Genuss man nur bedingt empfehlen kann.

4 von 10 Glückskekse

Die DVD: KSM (Deutschland)

Bildqualität:
sehr gut
2,35:1, anamorph; gute Schärfe, keine Defekte, auch auf großen Bildschirmen noch detailreiches Bild
Tonqualität: gut
Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Kantonesisch): klarer Klang, gute Verständlichkeit der Stimmen, nur selten Surroundeffekte
Extras: gut
Das Making Of (mit deutschen Untertiteln) ist sehr umfangreich und gibt einen netten Blick hinter die Kulissen, das Musikvideo ist nett anzuhören, die Bildergalerie sinnlos, dazu gibt es noch den Trailer und eine Trailershow
Untertitel: keine!
Qualität der Synchro: gut
KSM hat gute, passende Sprecher verpflichtet, die auch einiges an Engagement zeigen, einige Nebencharaktere fallen zwar etwas ab, das Gesamtbild passt aber. Die Übersetzung geht in Ordnung.
FSK: ab 12 (DVD ab 16 freigeben)
Altersempfehlung: ab 12
Besonderheiten:
Wendecover ohne FSK-Logo.

8.6.11 18:00

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