Manus Quickie: Kazuaki Kiriyas 'Goemon'

Ziemlich konfuse und qualitativ höchst wechselhafte Historienphantasie. Der Look ist einzigartig: an allen Ecken verfremdet, CGI-gepimpt und mehr auf ausgefallenes Design als auf historische Korrektheit fokussiert. Dabei schwankt die Umsetzung. Spektakuläre, atmosphärische und perfekt kompinierte Szenen wechseln sich mit Szenen schlecht gerenderter CGI-Hintergründe und darin unpassend wirkender Realfiguren ab. Dies ist besonders in Szenen, die bei Helligkeit spielen der Fall. Die einleitende Jagd über die Dächer und ein Duell auf einer Wiese wirken gar wie mittelmäßige Spielszenen eines PS2-Spiels. Auch eine monumentale Truppenschau wird zum Bot-Watching, bei dem ein Soldat dem anderen gleicht. Ob dies gewollt ist oder nicht, diese Szenen passen nicht zum Rest, denn sobald es dunkel wird zeigt der Film seine ganze visuelle Kraft.



Die Action ist ebenso eine zwiespältige Angelegenheit. Die einleitenden Jagd stellt dank Zeitraffer eher eine Hommage an Stephen Chows 'Kung Fu Hustle' als eine ernstgemeinte Actionszene dar. Eine Kampfszene im Palast lässt Erinnerungen an PS3-Metzelspiele der Marke 'Dynasty Wars' aufkommen, da sie weder eine ausgefallene Choreographie aufweist, noch visuelle sonderlich aufregend umgesetzt wurde. Dagegen sind eine Szene auf einem brennenden Schiff und auch das Finale spektakulär, wenn auch recht kurz, umgesetzt.
Eine gewisse visuelle Wucht ist dem Film aber in all diesen Szenen nicht abzusprechen.



Kazuaki Kiriyas Hang zu einer verschachtelten Erzählweise konnte man schon in 'Casshern' erleben und auch 'Goemon' bleibt da keine Ausnahme. Ständig wird die Handlung von Rückblenden unterbrochen, die den Erzählfluss gewaltig stören und den Film zu einem, in den ersten zwei Dritteln, doch ziemlich zähen Erlebnis machen. Ein umfassender Prolog wäre wahrscheinlich die bessere Wahl gewesen. Diese Rückblenden verfehlen dann auch teilweise ihr Ziel, nämlich das, den Charakteren Profil zu geben. Goemons Wandlung vom schwachen Waisenkind zum Ninja, zum zynischen Rächer, zum frechen Dieb, zum zynischen Rächer, zum Pazifisten, zum zynisch rächenden Pazifisten wird nie deutlich herausgearbeitet.
Auch die weiteren Charaktere bleiben recht blass, wobei Goemons Ninjafreund aus alten Tagen noch der größte Hintergrund zugesprochen wird. Goemons Begleiter als Dieb wird kaum beleuchtet, ehe er verschwindet nur um am Ende dann doch noch eine wichtige Rolle zu spielen. Der Twist ist gut, aber doch sehr unwahrscheinlich.



Die pazifistische Botschaft, die vermittelt werden soll (wenn sie das soll), wirkt bei all dem Blutvergießen zudem etwas aufgesetzt.

'Goemon' reiht sich in die lange Reihe der Style-Over-Substance-Streifen ein und bremst sich selbst durch seine Erzählweise unnötig aus. Bei bestem Willen nur oberer Durchschnitt.

6 von 10 Glückskekse

25.6.11 16:52

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