Manus Quickie: Zhang Ziens 'Der Zauberzopf'



China Ende des 19. Jahrhunderts: Sha'er ist ein einfacher Ladenbesitzer mit einer ganz besonderen Haarpracht: sein Zopf macht ihn unbesiegbar! Als ausländische Mächte immer mehr Einfluss in China bekommen, ergreift Sha'er die Initiative und kämpft für sein Land.

Der Film ist alles andere als ein Reißer. Der Mitte der 1980er in der VR China produzierte Film versucht im ersten Teil auf der Welle der damals populären Kung-Fu-Komödien zu schwimmen, versagt dabei aber auf ganzer Linie: unpassende Gags, schlechte Schauspieler und weit und breit kein Sympathieträger. Hauptdarsteller Wang Yawei ist gnadenlos überfordert und tapst von Station zu Station, von Kämpfchen zu Kämpfchen, immer stolz seinen (Zauber-) Zopf tragend - eigentlich ein Zeichen der Unterdrückung der Han-Chinesen durch die Mandschu. Aber da die Zeit ja bekanntlich alle Wunden zu heilen vermag und die Qing-Dynastie in ihren letzten Atemzügen liegt, scheint man das nicht mehr allzu eng zu sehen. Zumal in der zweiten Hälfte ein neues Feindbild auftaucht: die bösen ausländischen Besatzer. Spätestens jetzt wirft der Film all seine komödienhaften Abitionen über den Haufen und wird ein dösiges Drama. An allen Ecken und Enden wird gejammert wie sehr die Chinesen doch unter den Ausländern zu leiden haben, ein grausames Einzelschicksal folgt dem anderen.

Zumindest entlädt sich die Wut in einer großen Schlacht - vermutlich soll sie den Boxeraufstand darstellen. Politische Hintergründe werden nicht erklärt, hauptsache es wird gekämpft. Das wird es dann auch, aber leider nicht sonderlich Spektakulär. Kostüme und Ausstattung sind ok, teilweise sind auch ordentlich Truppenbewegungen zu verzeichnen. Leider ist all das äußerst dröge inszeniert. Immerhin werden einige blutige Details spendiert: u.a. eine Leiche mit (ganz gut aussehenden) heraushängenden Gedärmen (!).

Am Ende sind dann die Ausländer besiegt und die Qing-Dynastie am Ende. Die 'bösen' Nationalisten schließlich zwingen unseren Held dazu seinen Zopf abzuschneiden, worüber er im Epilog ausschweifend siniert.
Die DDR-Synchro ist bombig und trieft nur so vor sozialistischem Pathos, teils angebracht, teils zu übertrieben.
Historische Fakten werden nur am Rande beleuchtet, ein ordentliches Hintergrundwissen sollte vorhanden sein um nicht mit Fragezeichen über dem Kopf in die Röhre (oder den LCD/Plasma) zu gucken.

'Der Zauberzopf' ist inhaltlich wie inszenatorisch eine riesige Gurke und ziemlicher Langweiler, nur was für Kompletisten oder knallharte Kommunisten.

2 von 10 Glückskekse

25.6.11 17:19

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